Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/1008
Titel: Sucht : Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis, 47. Jahrgang, Sonderheft 2
Erscheinungsdatum: 2001
Zusammenfassung: Dokumentationsstandards III für die Evaluation der Behandlung von Abhängigen: Standards in der Dokumentation von Therapien substanzbezogener Störungen haben die Aufgabe, die Durchführung einer Evaluationsstudie zu erleichtern, die Vergleichbarkeit der Daten zu verbessern und schließlich Meta-Analysen zu ermöglichen, mit denen die Ergebnisse vieler Einzelstudien zusammengefasst und analysiert werden können. Die Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen erfordert insbesondere für die Erfassung des suchtbezogenen, Verhaltens einen eigenständigen Evaluationsansatz, der durch allgemeine Leitlinien für Evaluationsstudien nicht ausreichend erfasst werden kann. Standards tragen dazu bei, dass ein Untersucher nicht immer wieder neu die bei einer Evaluation auftauchenden allgemeinen Probleme und Aufgaben bewältigen muss, sondern die Erfahrungen zahlreicher Studien und Experten in diesem Bereich besser nutzen kann. Standards und Leitlinien sind immer auch vom Fortschritt in einem bestimmten Wissensfeld abhängig und deshalb von Zeit zu Zeit an neue Entwicklungen anzupassen, ohne dass deswegen bewährte alte Standards aufgegeben werden müssen. 1985 hat die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e. V. eine erste Fassung von Standards unter dem Titel >>Standards für die Durchführung von Katamnesen bei Abhängigen<< herausgegeben. Die Finanzierung wurde vom Bundesministerium für Gesundheit übernommen, das auch die nachfolgenden Versionen finanziell gefördet hat. Zur Zeit dieser ersten Version der Standards gab es zumindest in Europa keine vergleichbaren Leitlinien im Suchtbereich. 1992 folgte eine zweite Fassung mit dem Titel >>Dokumentationsstandards II für die Behandlung von Abhängigen<<, 1994 wurden sie in Englisch publiziert. Die zweite Version ist durch folgende Änderungen im Vergleich zur ersten Fassung charakterisiert: Es kam zu einer stärkeren Berücksichtigung der Anforderungen für die Praxis, zu einer stärkeren Einbeziehung der ambulanten Behandlung, zu einer europäischen Zusammenarbeit durch Einbeziehung der Schweiz, Hollands und Österreichs, zu einer zusammenfassenden globalen Bewertung der Therapieergebnisse, zu einheitlichen Zeitfenstern sowie verschiedenen formalen und inhaltlichen Einzelveränderungen. Die Unterscheidung von obligatorischen und optionalen Standards war aufgegeben worden. Mittlerweile sind im Suchtbereich zahlreiche Versuche entstanden, ebenfalls Standards oder Leitlinien zur evaluativen Datenerhebung zu erstellen (abgesehen von Standards zur Therapiedurchführung). Dazu gehören die Leitlinien der Plinius Major Gesellschaft, die Leitlinien der EBDDA zur Prävention, die >>Workbooks<< der WHO zur Evaluation und verschiedene Ansätze zu einheitlichen Kerndatensätzen auf europäischer´(vgl. Simon, 1999) und auf nationaler Ebene (DHS, 1998, 1999). Die Leitlinien der Plinius Major Gesellschaft (1994) sind eher als allgemeine Richtlinien der Evaluation zu verstehen, sie enthalten keine konkreten Formulierungen der zu erhebenden Items und sind auf den Alkoholbereich beschränkt. Die Arbeitsbücher der WHO zur Evaluation (WHO et al., 2000) sind ein umfangreicher Einführungs- und Lerntext zur Evaluation im Suchtbereich, die didaktisch gut aufbereitet sind. Es werden sechs Typen von Evaluation unterschieden: >>need assessment evaluation, process evaluation, cost evaluation, client satisfaction evaluation, outcome evaluation, economic evaluation <<. Dazu gibt es einen einführenden Text von Marsden et al. (2000). Die Leitlinien der EBDDA beziehen sich hauptsächlich auf die Suchtprävention und gehen daher auf die Besonderheiten der Therapie nicht ausreichend ein. Der Europäische Kerndatensatz hatte das Ziel, für rein epidemiologische Zwecke eine Vereinheitlichung der Datenerhebung herbeizuführen. Alkohol und Tabak wurden dabei nicht berücksichtigt. Im nationalen Bereich gibt es ebenfalls solche Versuche der Datenvereinheitlichung: 1998 wurde von der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren ein Klient-/Patientenbezogener Kerndatensatz publiziert, 1999 kam ein Einrichtungsbezogener Deutscher Kerndatensatz hinzu. Letzterer besteht aus einem Mantelbogen, einem allgemeinen Einrichtungsbogen und aus acht Zusatzbögen für verschiedene Einrichtungstypen. Auf diese Weise ergibt sich zwar ein guter Überblick über die verschiedensten Therapieangebote, vergleichbare therapierelevante Variablen über alle Einrichtungstypen hinweg, wie z. B. die Intensität der Therapie, fehlen, so dass eine vergleichende Auswertung in einer Evaluationsstudie hinsichtlich der Effekte von Behandlungsmerkmalen kaum möglich erscheint. Potenzielle Wirkfaktoren der Therapie (s. z. B. Grawe, 1995) sind in die Formulierung der Items nicht sichtbar eingegangen. Für die neue Version der Dokumentationsstandards ergab sich die Aufgabe, so weit als möglich all diese Ansätze zu berücksichtigen.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/1008
Enthalten in den Sammlungen:PsyDok

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