Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/1017
Titel: Exploration zur Integration der interkulturellen Dimension in das Ausbildungsangebot der Verwaltungsfachhochschule
Autor(en): Büttner, Christian
Stephan, Katrin
Dietrich, Dorothee
Erscheinungsdatum: 2004
Zusammenfassung: Der Ausgangspunkt der hier vorliegenden Exploration war die Frage, welche Relevanz interkulturelle Themen in der polizeilichen Ausbildung haben respektive haben sollten, leisten doch Polizeibeamtinnen und –beamten ihre Arbeit mehr und mehr in interkulturellen Kontexten. Der Wunsch der Exploration dieser Frage wurde von Seiten der Polizei an die HSFK herangetragen. Weiterhin prüfte ein Teilprojekt der Universität Mainz, inwieweit die entsprechenden Lehrmaterialien auf die Thematisierung interkultureller Aspekte abzustimmen sind. Das Teilprojekt der HSFK, dessen Ergebnisse dem nun folgenden Bericht entnommen werden können, setzte sich mit zwei großen Themenblöcken auseinander: a) Einerseits eruierte es den Zusammenhang von Ausbildungsangeboten und Praxiserfordernissen (Kapitel 4). Wie Studierende und Beamte, die seit kurzem ihr Studium an der VFH abgeschlossen haben, die Angebote und den Bedarf an Lehrveranstaltungen mit interkultureller Thematik beurteilen. Anhand von strukturierten Interviews wurde bei Polizeibeamtinnen, die ihre Ausbildung an der VFH absolviert haben und deren Studienzeit nicht länger als ein Jahr zurückliegt, exploriert: - wie sie rückblickend das Lehrangebot und die Lehrkompetenz der VFH im Hinblick auf die inzwischen aufgetretenen interkulturellen Praxissituationen evaluieren - ob und welche Vorschläge es hinsichtlich neuer Schwerpunktsetzungen für die Ausbildung im Hinblick auf die Reflexion interkultureller Fragen und den Erwerb interkultureller Kompetenzen gibt - welche studienorganisatorischen Veränderungen – falls als notwendig empfunden- angebracht wären, um die potentielle Diskrepanz zwischen theoriegeleitetem Studium und den Anforderungen der Praxis zu kompensieren. b) Die zweite Exploration (Kapitel 5) untersuchte aktuelle interkulturelle Erfahrungen im Rahmen des Studiums an der VFH innerhalb und außerhalb der besuchten Lehrveranstaltungen. Als Forschungsmethode diente das strukturierte Interview. Die Befragten waren überwiegend Laufbahnbewerber, sowohl männliche und weibliche als auch mit und ohne Migrationshintergrund, und hatten daher bereits weit reichende Erfahrung in der polizeilichen Praxis. Folgende Fragestellungen wurden untersucht: - von welchem Kenntnisstand und welchen Erfahrungen zur interkulturellen Problematik die Studierenden jeweils ausgehen, - welche allgemeinen Erfahrungen interkultureller Art in Lehrveranstaltungen gemacht wurden, welchen Verlauf interkulturelle Auseinandersetzungen genommen haben und mit welchem Ergebnis und welche Unterstützung von wem erfahren bzw. gewünscht wurde - welches Themenangebot zur Frage interkultureller Spannungen für hilfreich gehalten respektive gewünscht wird. Im 3. Kapitel werden detailliert die methodischen Grundlagen der Exploration erläutert ebenso wie Zielsetzungen und methodische Grenzen der ausgewählten Methode. In der hier vorliegenden qualitativen Studie wurden vier Beamtinnen interviewt (zwei mit und zwei ohne Migrationshintergrund), die in der Region auf verschiedenen Dienststellen beschäftigt sind und 12 Beamtinnen und Beamten (davon zwei mit Migrationshintergrund), die im Rahmen ihres Aufstiegsstudiums kurz vor dem Abschluss ihrer Weiterbildung standen. Die Untersuchung war prozesshaft angelegt. Die Beobachtungen wurden über einen längeren Zeitraum geführt, in den einzelnen Abschnitten wurden Gespräche mit den Initiatoren und Verantwortlichen des Projektes auf Seiten der Polizei geführt. Weiterhin stand die Forschungsgruppe in Kontakt mit dem Interkulturellen Arbeitskreis (IKA), der sich in einem informellen Rahmen bereits der Thematik angenommen hatte, um extracurriculare Bemühungen von Seiten der Studierenden und Dozenten angemessen zu berücksichtigen. Als Leitgedanke für den nun folgenden Bericht sei vorab soviel gesagt: Wenngleich alle Interviewten der Auffassung waren, dass die interkulturelle Thematik für die Praxis polizeilicher Arbeit eine gewisse Rolle spiele, so sahen sie gleichwohl keine dringende Notwendigkeit, dass Studierende im Rahmen ihres Studiums intensiver darauf vorbereitet werden müssten, als dies mit den aktuellen Angeboten bereits geschehe. Vielmehr wurde betont, dass die Thematik interkultureller Aspekte der polizeilichen Arbeit in eine Praxisreflexion gehöre und die polizeiliche Bindung an gesetzliche Vorgaben gar keinen Spielraum für besondere Vorgehensweisen ließe. Diese Vorgaben machten keinen Unterschied zwischen Deutschen und Ausländern, so dass allein von daher die Gleichbehandlung gewährleistet sei. Besondere Probleme bei der polizeilichen Arbeit müssten auch nach ihren jeweiligen speziellen situativen Erfordernissen gelöst werden. Diese Positionen stehen im Einklang mit der aktuellen politischen Lage (unklare und strittige Definition der deutschen Haltung zur Einwanderung, geringe Unterstützung interkultureller Fortbildung durch die Polizeiführung) und anderen Erfahrungen mit Fortbildung zu interkultureller Kompetenz. Daraus ergibt sich, dass eine intensivere Vorbereitung auf die interkulturellen Aspekte polizeilicher Arbeit eine Übereinstimmung in Politik und Polizeiführung darin voraussetzt, dass es zu den polizeilichen Aufgaben gehört, sich kompetent in einer Einwanderungsgesellschaft zu bewegen und die entsprechende Aus- und Fortbildung darauf abzustimmen. Das heißt nicht, dass es für einzelne Beamtinnen und Beamte nicht durchaus wertvoll sein kann, sich im Themenfeld "interkulturelle Kompetenz" fort zu bilden.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/1017
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