Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/102
Titel: Glaube an eine ungerechte Welt als Motiv?
Autor(en): Maes, Jürgen
Erscheinungsdatum: 1998
Serie/Report Nr.: Berichte aus der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"; 120
Zusammenfassung: Das Vokabular der Gerechte-Welt-Forschung legt häufig krypto-normative Bewertungen nahe. Wenn der Gerechte-Welt-Glaube als Motivationskonstrukt gesehen wird, als Abwehrmechanismus, der dazu verleitet, die Wirklichkeit nicht adäquat wahrzunehmen, Ursachen und Ergebnisse von Handlungen "umzubewerten" oder zu verzerren, dann erscheint der Glaube an eine ungerechte Welt als Null-Ausprägung dieser Eigenschaft allzu leicht als klare und rationale Sicht der Dinge, als Bereitschaft, die Wirklichkeit unverzerrt wahrzunehmen, Opfer nicht abzuwerten, zugespitzt: Der Glaube an eine ungerechte Welt erscheint als die "bessere" oder wünschenswertere Alternative. Demgegenüber wird hier die These vertreten, daß es sich auch beim Glauben an eine ungerechte Welt um eine motivationale Voreingenommenheit handeln kann, deren Aufrechterhaltung vielerlei Zwecke für Menschen erfüllt. Für Schüler mit häufigen Mißerfolgserlebnissen mag der Glaube an eine ungerechte Welt zum Beispiel selbstbilddienlich und selbstwertstabilisierend sein. Die These wird anhand von drei Untersuchungsbeispielen illustriert. Daten aus einer Fragebogenerhebung zu Krebskrankheiten zeigen, daß der Glaube an eine ungerechte Welt Gesundheitsverhalten so moderiert, daß keine Konsequenzen aus eigenem Wissen und Verhalten gezogen werden müssen. So konnte gezeigt werden, daß der Glaube an eine ungerechte Welt es bei steigendem Zigarettenkonsum erleichtert, eine Krebsvermeidungsmöglichkeit durch Beendigung des Rauchens zu negieren. Je mehr die Versuchspersonen Alkohol als eine Ursache von Krebs ansahen, desto mehr erleichterte es ihnen der Ungerechte-Welt-Glaube, trotzdem nicht die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und den eigenen Alkoholkonsum einzuschränken. Mit Daten aus einem rheinland-pfälzischen Schulversuch wird gezeigt, dass der Glaube an eine ungerechte Schulwelt es Schülern mit schlechten Noten in naturwissenschaftlichen Fächern erleichtert, ein positives Selbstkonzept naturwissenschaftlicher Begabung aufrechtzuerhalten. (schriftliche Fassung eines Vortrags auf dem 40. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in München, 1996).
The vocabulary of just-world research suggests crypto-normative evaluations: If belief in a just world is portrayed as a motivational construct, as a defence mechanism which seduces to perceive reality in an inadequate way and to revalue and distort causes and results of an action, then belief in an unjust world as the zero-score of this trait will all to easily appear as a clear and rational view of the world and as a preparedness to perceive reality in an undistorted way and not to devalue victims, shorter: Belief in an unjust world will appear as the better or more desirable alternative. In contrast to this, the thesis is pronounced here that belief in an unjust world can also represent a motivational basis the maintenance of which can serve different functions. For pupils with frequent experiences of failure, for example, belief in an unjust world may have the function of serving a good self-concept and stabilizing self-esteem. The thesis is illustrated by three examples. Data from a questionnaire study on cancer show that belief in an unjust world can moderate health-related behaviour the way that no consequences have to be drawn from one’s own knowledge and behaviour. It was shown that with increasing cigarette smoking belief in an unjust world made it easier for subjects to deny cancer prevention through stopping to smoke. The more subjects perceived alcohol as a cause of cancer the more belief in an unjust world helped them not to draw consequences and restrict their consume of alcohol. With data from a school model test in Rhineland-Palatinate (Germany) it is shown that belief in an unjust school-world helps pupils with bad grades in natural sciences to maintain a positive self-concept of their own talent in natural science. (paper version of a presentation on the 40th Congress of Psychology of the German Society of Psychology in Munich, 1996).
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/102
Enthalten in den Sammlungen:Berichte der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"
PsyDok

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