Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/1408
Titel: Enuresis in langfristiger Familienbeobachtung
Autor(en): Haug, Gabriele
Erscheinungsdatum: 1980
Zusammenfassung: Mit Hilfe kommentierter Kalenderführung und langfristig angestellter Situationsanalyse (176?335 Tage) wurden Enuretiker im Alter von 7-12 Jahren in ihren Familien beobachtet. Wie aus Tabelle I hervorgeht, ergab sich ein signifikanter statistischer Zusammenhang zwischen dem Belastungsgrad durch Ereignisse des Tages und der Wahrscheinlichkeit des Einnässens in der folgenden Nacht. Für einzelne Kinder ließen sich sogar individuelle Anlässe erkennen, nach deren Eintreffen am Tage das Einnässen in der folgenden Nacht fast mit Sicherheit zu prognostizieren war. (Hierbei wurde die Methode hinterlegter Prognosezettel angewandt.) An 7 Kindern wurde der Vorgang des Einnässens am Tage mehrmals direkt beobachtet. Es ergaben sich 2 unterscheidbare typische Ablaufe: 1. Das Kind scheint sich in entspannter Spielsituation,fallen zu lassen. Es näßt (nur!) während entspannten Spielen ein, ohne daß sich am Verhaltensablauf ? abgesehen von der Harnabgabe selbst ? eine Veränderung beobachten läßt. Hypothese: Blockierende und belastende Emotionen sind entfallen und machen einer so weitgehenden körperlichen und psychischen Entspannung Platz, daß selbst angelernte, mit der Blasenentleerung gekoppelte Vorkehrungen mit davon ergriffen werden und beim Harnlassen nicht mehr einsetzen. 2. Das Kind halt unvermittelt während beliebiger Handlungen inne, ist für 10-25 sec bewegungslos, scheint verkrampft und seiner Umwelt entrückt und näßt dann ein. Wenn diese Form des diurnalen Einnässens beobachtet wurde, handelte es sich stets um ausgesprochen belastete bzw. verhaltensgestörte Kinder. Hypothese Bei dem belasteten Kind kommt es ? auch ohne äußeren Anlaß ? zu einem Zusammenspiel von Harndrang, Angstgefühl und Harnverhaltung. Diese 3 Komponenten steigern einander auf physiologischer Ebene bis zu einer Intensität, die alle anderen Verhaltenstendenzen vorübergehend unter Hemmung setzt und die Harnabgabe in Form einer ,Entladung veranlaßt bzw. erzwingt. Beide Formen scheinen also in psychophysischer Sicht geradezu gegensätzlichen Charakter zu haben. Bei der Durchsicht in- und ausländischer Publikationen zum Thema Enuresis wird deutlich, daß psychogene Faktoren in der Debatte über ihre Genese immer mehr im Vordergrund stehen. Die Literatur der letzten Jahre weist auf den möglichen Einfluß von emotionalen Belastungen, innerfamiliaren Spannungen und individuell unterschiedlich empfundenen psychischen Mangelsituationen hin. Jedoch der zahlenmäßige Anteil der psychogenen Enuresis unter der Gesamtheit der betroffenen Patienten wird ? je nach Fachrichtung ? sehr unterschiedlich angegeben. Der in Untersuchungen festgestellte Placeboeffekt bei Enuresis nocturna und die anerkannte Suggestivwirkung bei Einführung eines ,Zu-Bett-Geh-Rituals sprechen für eine psychische Beeinflußbarkeit des Symptoms. Eine Änderung des Milieus oder der Betreuungssituation hat häufig eine spontane Beseitigung des Symptoms zur Folge, ein Ergebnis, das verschiedenartigste Behandlungsmethoden nicht erreicht haben. Die in Publikationen angegebene hohe Rückfallquote bei medikamentöser Therapie zeigt die schwierige physiologische Erfaßbarkeit dieser Funktionsstörung. Medizinische und psychologische Veröffentlichungen sprechen die Unsicherheiten bezuglich der Genese sowie die auf dem Hintergrund mannigfaltiger Therapiemaßnahmen gesehen relativ schlechten Heilungsquoten an.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/1408
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

Dateien zu dieser Ressource:
Datei Beschreibung GrößeFormat 
_29.19803_3_27848.pdf_new.pdf1,15 MBAdobe PDFÖffnen/Anzeigen
29.19803_3_27848.pdf_new.pdf1,44 MBAdobe PDFÖffnen/Anzeigen


Alle Ressourcen in diesem Repository sind urheberrechtlich geschützt.