Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/186
Titel: Verantwortungszuschreibung und Ärger : emotionale Situationsbewertung (appraisal) in polynesischen und "westlichen" Kulturen
Autor(en): Bender, Andrea
Spada, Hans
Seitz, Stefan
Erscheinungsdatum: 2001
Serie/Report Nr.: Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau;153
Zusammenfassung: Wie Menschen sich in ihrer Umwelt verhalten und wie sie mit ihren Mitmenschen interagieren, hängt von ihrer Bewertung der Situation ab. Für diese Bewertung sind nicht nur Kognitionen von wesentlicher Bedeutung, sondern auch Emotionen, denn sie erleichtern Entscheidungen, steuern Handlungen und unterstützen Lernprozesse und Kommunikation(Damasio, 1994; Kunda, 1990; Scherer, 1996; Thagard, 2000). Außerdem tragen sie dazu bei, soziale Beziehungen zu gestalten und zu regulieren (Frijda & Mesquita, 1994; Lutz, 1988; Rosaldo, 1984; White, 1994). In besonderer Weise sozial relevant ist die Emotion Ärger, die eng mit der Zuschreibung von Verantwortung verknüpft ist (Weiner, 1995) und zu aggressiven Handlungen motiviert (Averill, 1982). Sie wird kulturell unterschiedlich bewertet und häufig streng reguliert (z.B. Briggs, 1970; Montagu, 1978). Für einige polynesische Kulturen ist die Korrespondenz mit einem Wertesystem dokumentiert, das ausgeglichene Beziehungen favorisiert und an Ärger gekoppelte Verhaltensbereitschaften wesentlich stärker zu regulieren sucht, als etwa in der 'westlichen Welt' üblich (Gerber, 1985; Levy, 1978; Morton, 1996). Wird Ärger in diesen Kulturen aber nur seltener gezeigt oder auch in geringerem Ausmaß überhaupt ausgelöst? Ob eine Emotion ausgelöst wird und, wenn ja, welche und wie stark, ist teilweise das Ergebnis eines kognitiven Prozesses, nämlich der subjektiven Bewertung der Situation (appraisal) durch das Individuum. Während vergleichbare Bewertungen einer Situation zu vergleichbaren Emotionen führen (Reisenzein, 2000; Roseman, Antoniou & Jose, 1996; Scherer, 1997, 1999), können sich die Bewertungen unterscheiden, und zwar abhängig beispielsweise, wie im Fall des Ärgers, von spezifischen ?Selbst'-Konzepten und Zuschreibungsschemata für personale Verursachung und Verantwortung (Ellsworth, 1994). Das Forschungsvorhaben will solche kulturellen Einflüsse auf kognitive Prozesse bei der Entstehung von Emotionen anhand eines appraisal-theoretischen Ansatzes (Nerb, 2000; Nerb & Spada, 2001) untersuchen und insbesondere die Rolle der Verantwortungszu-schreibung für die Entstehung von Ärger fokussieren. Es versucht damit, wie von Spiro (1999) oder LeVine(1999) gefordert, kulturelle Varianz auf grundlegende psychologische Prozesse zu beziehen, und ist von der Idee geleitet, daß das Verständnis von Emotionen eine unerläßliche Voraussetzung für das Verständnis von Verhalten und — in letzter Konsequenz — von Kultur ist.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/186
Enthalten in den Sammlungen:Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
PsyDok

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