Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/188
Titel: Die Rolle von Strategien, Informationen und Institutionen im Allmende-Dilemma und Prozeßmuster seiner Regulierung : interdisziplinärer Projektbericht und weitere Planung
Autor(en): Ernst, Andreas M.
Bender, Andrea
Eisentraut, Renate
Mohr, Ernst
Kägi, Wolfram
Prittwitz, Volker von
Seitz, Stefan
Erscheinungsdatum: 1998
Serie/Report Nr.: Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau;134
Zusammenfassung: Im Zentrum des Projekts "Die Rolle von Informationen und Institutionen bei Kooperationsbrüchen in ökologisch-sozialen Konfliktsituationen (Allmenden): eine psychologisch-ökonomisch-ethnologische Analyse" steht der interdisziplinäre Zugang zur Allmendeproblematik. Dabei geht es um die Rolle von Information über Ressourcennutzung (Öffentlichkeit) und von Sanktionierungsmöglichkeiten bei Ressourcenübernutzung, um die individuellen Strategien und sozialen Randbedingungen bei der Ressourcennutzung in Fischerei-Allmenden in Entwicklungsländern sowie um individuelle Kooperationsanreize in einem verflochtenen Allmende-und Versicherungssystem. In einer Untersuchung des psychologischen Teilprojekts spielten 120 Versuchspersonen in Fünfergruppen ein experimentelles Umweltkonfliktspiel, das eine Fischerei-Allmende simuliert. Die Beteiligten legten Fangquoten fest und informierten sich gegenseitig über ihre Festlegungen, wobei die Möglichkeit zum Betrug, aber auch zu gegenseitiger Kontrolle (durch individuell veranlaßte Informationssuche) und Sanktionierung gegeben war. Die Ergebnisse zeigen, wie die Ressourcennutzung durch solche institutionelle Regelungen und Mechanismen tendenziell stabilisiert werden kann. Im Falle einer Ressourcenkatastrophe sind jedoch ambivalente Reaktionen der Beteiligten zu beobachten: Einerseits werden vermehrt dysfunktionale Strategien der Ressourcennutzung eingesetzt, andererseits aber auch vermehrt adaptive Strategien der Informationssuche. Die ethnologische Feldstudie kontrastiert zwei Inselgemeinden der Ha?apai-Gruppe im Königreich Tonga (Südpazifik), die bei ansonsten identischen Voraussetzungen in den letzten Jahrzehnten unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen herausgebildet haben. Bei den Subsistenzfischern der traditionell geprägten Inselgemeinde Lofanga bestehen die Werte des Teilens unverändert fort, und im Zusammenhang damit läßt sich eine nachhaltigere Ressourcennutzung beobachten. Für die semikommerziellen Clubfischer in ?Uiha auf der anderen Seite scheinen diese Werte inzwischen teilweise hinter den Zielen, Geld zu verdienen und Kapital zu bilden, zurückzutreten; es wird weniger geteilt, und die Fischbestände werden übernutzt. Die ökonomische Analyse schließlich legt den Schluß nahe, daß die Koexistenz von informeller Versicherung und Allmende im Fall Tonga zu einer Stabilisierung der Ressourcennutzung führt. Die Ressourcennutzung wird also nicht durch interne Regeln und Mechanismen des Allmendesystems stabilisiert, sondern durch das kulturelle Komplement der informellen Versicherung. Die im Experiment beobachtete gegenläufige dysfunktionale Dynamik von Ressourcenentwicklung und Ressourcennutzung könnte auch in realen Umweltkontexten eine der Ursachen für katastrophale Entwicklungen sein. Die ethnologischen Ergebnisse belegen nicht nur die Bedeutung institutioneller Rahmenbedingungen für die Nachhaltigkeit der Ressourcennutzung, sondern deuten außerdem die Einflußmöglichkeiten individueller Akteure an. Vielversprechend für künftige Forschung erscheint weiterhin eine Ausweitung der Untersuchung von Interaktionen zwischen ökonomischen Organisationsformen und kulturellen Komplementen auf westliche Gesellschaften, da auch hier deren Koexistenz von Bedeutung sein könnte. Zusammenfassung des Fortsetzungsantrags Die unter dem Titel "Prozeßmuster der Allmenderegulierung: Die Rolle von Strategien, Information und Institutionen" beantragte Fortsetzung des Projekts hat zum Ziel, den Prozeß der Bildung, Veränderung und Rückwirkung von Regulierungssystemen (Regimen) der Allmendenutzung zu untersuchen. Die Untersuchung soll im interdisziplinären Verbund von Psychologie, Politikwissenschaft und Ethnologie erfolgen. Die Antragsteller stützen sich dabei auf umfangreiche und z.T. gemeinsame Vorarbeiten. Gegenstand der Untersuchung sind der internationale Walfang der letzten fünfzig Jahre und die Nutzung einer Fischereiallmende im Südpazifik. Dadurch lassen sich sowohl durch internationale Akteure verhandelte formelle Regulationen als auch kulturell gestützte informelle Regulationen und ihre Wirkung auf die natürliche Ressource analysieren. Es wird von einer gegenseitigen Beeinflussung von Akteuren und Regimen ausgegangen. Das Projekt verfolgt vier sich einander ergänzende methodische Zugänge: die synoptische Analyse eines politischen Prozesses der Regimebildung und des Regimewandels, die gezielte Untersuchung der Akteursentscheidungen bei Regimewahlen und derenWahrnehmung in einem experimentellen Spiel, die Erhebung kultureller Einflüsse in einer Feldstudie und schließlich eine die wichtigsten identifizierten Variablen integrierende Computermodellierung.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/188
Enthalten in den Sammlungen:Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
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