Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/192
Titel: Eine computersimulierte Theorie des Handelns und der Interaktion in einem ökologisch-sozialen Dilemma
Autor(en): Ernst, Andreas M.
Spada, Hans
Nerb, Josef
Scheuermann, Michael
Erscheinungsdatum: 2000
Serie/Report Nr.: Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau;142
Zusammenfassung: Angemessenes Handeln in Situationen, die durch soziale Konkurrenz bei der Nutzung einer nur begrenzt regenerierbaren ökologischen Ressource gekennzeichnet sind, ist komplex und schwierig. Es gilt nicht nur die Gesetzmäßigkeiten der Ressourcenveränderung, sondern auch die das Handeln der Mitbeteiligten leitenden Gesichtspunkte zu erfassen. Dieser Bericht beruht auf Ergebnissen des von der DFG geförderten Forschungsprojekts "Eine computersimulierte Theorie des Handelns und der Interaktion in einem ökologisch-sozialen Dilemma". Ziele waren: 1. die Konzeptualisierung einer derartigen Theorie unter Berücksichtigung einschlägiger kognitions-, motivations- und sozialpsychologischer Befunde, aber auch eigener früherer empirischer Ergebnisse, 2. die lauffähige Implementierung dieser Theorie mittels eines Computermodells, d.h. bis hin zur Generierung von Verhalten, und 3. die empirische Prüfung der Gültigkeit von Modell und Theorie, wobei 4. das Computermodell auch zur Realisierung standardisierter experimenteller künstlicher sozialer Umwelten herangezogen werden sollte. Alle diese Ziele wurden erreicht. Es wurde eine computersimulierte Theorie des Handelns und der Interaktion in einem ökologisch-sozialen Dilemma entwickelt, das sogenannte kis-Modell(knowledge and intentions in social dilemmas). Das Modell umfasst mehrere Wissenskomponenten, Handlungswissen in Form von Handlungsschemata, ökologisches Wissen und soziales Wissen. zum Aufbau eines Bildes über die Konfliktpartner (deren Absichten, Motive, Berechenbarkeit, Vertrauenswürdigkeit); es enthält ein motivbasiertes Modell der Handlungsauswahl; drei Lernformen werden unterschieden: Lernen durch Handeln, Lernen durch mentales Probehandeln und Lernen durch Beobachtung. Das Modell wurde implementiert und ist lauffähig. Die Prüfung der Geltung des Modells erfolgte in vier Schritten: (a) Es wurde die Modellperformanz untersucht, indem die Setzung verschiedener Parameter und die Ein- und Ausblendung von Teilmodulen des Modells daraufhin geprüft wurden, ob sie die erwarteten Effekte auf das Modellverhalten haben. (b) Mittels teilweise neu entwickelter Tests und Fragebögen wurden theoretisch als relevant angesehene Persönlichkeitskonstrukte erfasst und mit dem Verhalten in der Dilemmasituation in Verbindung gebracht. (c) Angewandt auf die Situation des sogenannten Fischereikonfliktspiels, eines im psychologischen Labor realisierten standardisierten ökologisch-sozialen Dilemmas, wurde die empirische Hauptuntersuchung des Projekts durchgeführt. Sie erfolgte in Form von rechnergestützten Einzelversuchen mit N=42 Versuchspersonen, die am Computer das Fischereikonfliktspiel zusammen mit künstlichen, selbst anhand des kis-Modells realisierten Akteuren spielten. (d) Spezifische Hypothesen wurden modellgestützt und empirisch geprüft zum Konstrukt des motivated reasoning, zur Wirkung von sozialen Rückmeldungen auf das Handeln von Akteuren und zur Anleitung zu einem ökologisch und sozial adäquaten Verhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass es gelungen ist, mit Hilfe des kis-Modells künstliche Akteure zu realisieren, die sehr glaubwürdig wirken und von mit ihnen interagierenden Versuchspersonen nicht als simulierte Akteure erkannt werden. Allerdings zeigten sich in den Validierungsstudien teilweise deutliche Abweichungen zwischen dem Verhalten der simulierten und der realen Personen. Dies war insbesondere dann der Fall, wenn schwierige Situationen mit starkem Ressourcenabfall und sich ausbeuterisch verhaltenden Gegenspielern zu bewältigen waren. Auch der Einsatz des kis-Modells zur Gestaltung sozialer Umgebungen erwies sich aufgrund der hohen Reaktivität der künstlichen Spieler als nicht ohne Probleme. So kann der Versuch einer Gesamtmodellierung des Verhaltens in sozial-ökologischen Dilemmata nur als teilweise erfolgreich bezeichnet werden. Die Projektarbeiten wurden mit großer Resonanz auf einer Vielzahl von Tagungen vorgestellt, die Ergebnisse fanden auch ihren Niederschlag in den Medien, insbesondere in der Presse. Es gehen eine Reihe von Publikationen auf das Projekt zurück, allerdings weniger und nicht so hochrangig platziert wie angestrebt.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/192
Enthalten in den Sammlungen:Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
PsyDok

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