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Titel: Netzbasiertes kooperatives Lernen mit Musterfällen und Fallaufgaben bei komplementärer Expertise
Autor(en): Spada, Hans
Caspar, Franz
Rummel, Nikol
Erscheinungsdatum: 2000
Serie/Report Nr.: Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau;141
Zusammenfassung: Der große Zuwachs an Wissen in vielen Bereichen, verbunden mit der zunehmenden Spezialisierung diesesWissens, hat zur Konsequenz, dass zur zielführenden und effizienten Lösung von Aufgaben immer öfter verschiedene Experten zusammenarbeiten müssen. Zwar stehen durch die Entwicklung der Informationstechnologie zugleich Möglichkeiten offen, ortsübergreifend Wissen auszutauschen. Ihre adäquate Nutzung zur gemeinsamen Aufgabenbearbeitung erfordert aber die Entwicklung neuer Kompetenzen, wobei weit über deren technische Handhabung hinaus Fragen angesprochen sind, wie Aufbau einer gemeinsamen Verständigungsbasis, Beachtung von Regeln der Kooperation und Dialogführung, gemeinsame Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung des relevanten Wissens aller Beteiligten usw. Einfache Übertragungen aus "Face-to-Face"-Situationen sind im allgemeinen nicht erfolgreich. In diesem Projekt wird die netzbasierte Wissenskommu-nikation bei der Bearbeitung von Aufgaben untersucht werden, die Expertise aus zwei Bereichen verlangt, die typischerweise nicht in einer Person vereint ist. Dem Stand der technischen Entwicklung entsprechend wird mit Kommunikationswerkzeugen gearbeitet, die einen möglichst reichhaltigen Wissensaustausch ermöglichen. Dies bedingt eine leistungsfähige Audio-Video-Verbindung und die Nutzung eines Texteditors als Teil eines "Application sharing"-Systems, das die gemeinsame Arbeit unterstützt, und die gleichzeitige Bearbeitung von Dokumenten erlaubt. Inhaltlich wird die Zusammenführung komplementärer Expertise am Beispiel von Medizin und Psychologie in der Psychotherapie untersucht. Bei der Diagnoseerstellung und Therapieplanung in der Behandlung von psychisch Kranken ist häufig medizinische und psychologische Expertise erforderlich. Die Zusammenarbeit von Medizinern und Psychologen ist aber nicht selten durch unzureichende Kenntnisse über die jeweils andere Disziplin und durch mangelnde Kompetenzen in effektiver Teamarbeit gekennzeichnet. Die Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten für netzbasierte Formen der Zusammenarbeit steht hier noch am Anfang. Eine Möglichkeit zur Verbesserung dieser Situation wäre die gemeinsame Arbeit an Fällen etwa durch Studierende höherer Semester der Medizin und Psychologie und von Postgraduierten beider Fächer in der psychotherapeutischen Weiterbildung. Dadurch könnte ein Einblick in das relevante Wissen der jeweils anderen Seite und ein gemeinsames Verständnis ebenso gefördert werden wie Kompetenzen in netzbasierter Kommunikation, wenn diese Fallbearbeitungen netzbasiert erfolgen und in geeigneter Weise moderiert und unterstützt werden. Um im Projekt dem gewählten Gegenstandsbereich für die Wissenskommunikation gerecht zu werden und die Ergebnisse auch in die Psychotherapieforschung einfließen lassen zu können, wird auch die Untersuchung selbst kooperativ durchgeführt. Erster Antragsteller ist ein Psychologe mit Schwerpunkten in der Kognitionspsychologie und der Pädagogischen Psychologie, zweiter Antragsteller ein Klinischer Psychologe, ausgewiesen auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. Ziele der Gestaltung des netzbasierten Lernens bei komplementärer Expertise sind die Förderung (a) des inhaltlichen Wissens der Probanden in der eigenen und in der fremden Disziplin (b) effektiverer Formen der Kooperation und Dialogführung, und (c) der Kompetenz in technischen Gegebenheiten netzbasierter Kommunikation. Im Gegensatz zu vielen der bisherigen rein deskriptiven Arbeiten auf diesem Gebiet soll bei der Gestaltung der Lernbedingungen streng theoriebezogen vorgegangen werden. Jede Maßnahme wird aus Befunden der einschlägigen Teildisziplinen der Psychologie - Kognitionspsychologie, Sozialpsychologie, Pädagogischen Psychologie und (aufgrund der gewählten Domäne) Klinischen Psychologie — abgeleitet, so dass die Chance gegeben ist, generische Wirkfaktoren aufzudecken und verallgemeinerungs-fähige Ergebnisse zu erzielen. Experimentell getestet werden in diesem Projekt in der ersten Antragsphase vor allem Musterfälle als kooperative Lerngelegenheiten. So wie sie hier verstanden werden, umfassen sie jeweils: (a) eine ausgearbeitete inhaltliche Problemlösung, (b) eine Auswahl charakteristischer, zielführender Kooperations- und Dialogsituationen und (c) Beispiele effizienter Nutzung der technischen Gegebenheiten der netzbasierten Kommunikation. Ihre Wirkung bei unterschiedlicher Gestaltung und auch im Vergleich mit anderen kooperativen Lerngelegenheiten wird im Rahmen eines umfassenden Versuchsablaufes getestet, der neben einer Basisinformation und verschiedenen Testphasen zur Prüfung des Lerntransfers eine Fallaufgabe enthält, die ohne Lösungsvorgabe kooperativ netzbasiert zu bearbeiten ist. Mit Blick auf dieses Vorhaben wird bei der folgenden Skizzierung des Standes der Forschung auf Musterfälle und Fallaufgaben als vielversprechende Lernaufgaben eingegangen; es werden die Chancen netzbasierten kooperativen Lernens skizziert, vor allem aber auch die Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, um günstige Ergebnisse zu erzielen. Dann wird das Konzept der komplementären Expertise aus der Sicht der psychologischen Expertiseforschung beleuchtet. Zuletzt wird der Stand der Technik netzbasierter Kommunikation soweit angeschnitten, wie es für dieses Projekt erforderlich ist. Anschließend werden kurz die eigenen Vorarbeiten zu diesem Thema aufgelistet.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/197
Enthalten in den Sammlungen:Forschungsberichte des Psychologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
PsyDok

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