Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/221
Titel: Lokales Wissen in der betrieblichen Lebenswelt : theoretische und empirische Studien zur Wissensentwicklung in Praxisgemeinschaften der industriellen Fertigung
Autor(en): Waibel, Mira Chr.
Erscheinungsdatum: 2002
Serie/Report Nr.: Harburger Beiträge zur Soziologie und Psychologie der Arbeit;SB 02
Zusammenfassung: Das intellektuelle Vermögen einer Organisation wird mittlerweile als eine ebenso relevante Ressource beurteilt wie das bilanzierte Kapital: So ergab beispielsweise eine Umfrage in 90 deutschsprachigen Firmen, daß dem Produktionsfaktor Wissen ein Anteil von 60 bis 80 Prozent an der Gesamtwertschöpfung zugerechnet wird(Palass, 1997). Der Ruf nach einem strategischen Umgang mit diesem wertvollen Gut wird zunehmend lauter. Denn in einer effizienten Bewirtschaftung der Ressource Wissen erkennen viele die Chance, weitere Kosten zu senken, effizienter zu arbeiten, neue Märkte zu entdecken und die Bedürfnisse der Kunden optimal zu befriedigen. Aus verschiedenen Perspektiven und zunehmend intensiv wird daher seit einigen Jahren der Begriff des Wissensmanagements diskutiert (Beratergruppe Neuwaldegg, 1995; Schreyögg & Conrad, 1996; Schüppel, 1995a, 1996; Willke, 1995, 1996). Als zentrale Aufgabe eines systematischen Wissensmanagements gilt die effektive Gestaltung und Weiterentwicklung der organisationalen Wissensgrundlagen. Hierbei ist allerdings zu berücksichigen, daß organisationales Wissen in unterschiedlicher Gestalt und auf verschiedenen Ebenen existiert: Es liegt den Organisationsabläufen ebenso zugrunde wie der Einbindung von neuen Technologien. Es verkörpert sich sowohl im Know-how und in den Aufgaben der Mitarbeiter als auch in den von ihnen durchgeführten Projekten. Schließlich darf auch nicht das Wissen vergessen werden, das eine Organisation im Laufe der Zeit über die Bedürfnisse ihrer Kunden, über andere Kulturen oder auch über Strategien und Verhal-tensregeln anderer Unternehmen gesammelt hat (Schüppel, 1995b). Damit nun das richtige Wissen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung steht, wird beispielsweise vorgeschlagen, das in jedem Unternehmen vorhandene Wissen zu identifizieren, zu bündeln und transparent zu machen. Als Beispiele für erste praktische Lösungen sind etwa Maßnahmen wie die Rekonstruktion sozialer Beziehungsnetze und Ablaufstrukturen oder die Einrichtung von Kunden- und Erfahrungsdatenbanken zu nennen (Willke, 1995). Programme wie diese klingen zunächst schlüssig. Allerdings stößt man bei ihrer Umsetzung schnell auf Schwierigkeiten. Ein Problem besteht bereits darin, daß das Wissen, welches routinisierten Handlungen zugrunde liegt, gewöhnlich nicht ohne weiteres verbalisiert werden kann. Neben dem sogenannten expliziten Wissen, das ausgesprochen, niedergeschrieben und bei Bedarf auch elektronisch gespeichert werden kann, gibt es ein sehr persönliches Gemisch aus affektiv-motorischem Knowhow, das sich allein im Können einer Person manifestiert, ohne für diese sprachlich zugänglich zu sein (Böhle, 1992). Dieses schwer faßbare Potential aufzubereiten und strukturell zu speichern, damit es möglichst unabhängig von einzelnen Personen genutzt werden kann, entpuppt sich als eine nicht leicht zu überwindende Hürde, die den an sich plausiblen Maßnahmen zur Schaffung von Transparenz entgegensteht.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/221
Enthalten in den Sammlungen:Harburger Beiträge zur Soziologie und Psychologie der Arbeit
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