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Titel: Kommentar zu dem Beitrag "Belastungserleben von Kindern in Strafverfahren" - Über die Notwendigkeit der Verständigung zwischen den Disziplinen und Medien
Autor(en): Kirchhoff, Sabine
Erscheinungsdatum: 1996
Zusammenfassung: Die öffentliche Diskussion um individuelle und institutionelle Reaktionen auf sexuellen Mißbrauch läuft wegen der Brisanz des Themas immer Gefahr, sich zu verselbständigen. Daß dabei leicht Mißverständnisse entstehen können, zeigte nicht zuletzt die Berichterstattung der Kölner Tagespresse zum Symposion "Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen individuelle und institutionelle Reaktionen" im Januar. Während Fachvertreter/innen derJustiz, der Kinderpsychiatrie, der Soziologie, der Psychologie, der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit ihre Forschungsergebnisse und Erfahrungen austauschten und die Grenzen und potentiellen Fehlerquellen der jeweiligen Disziplin (und Institution) kritisch hinterfragten, um auf der Basis dieser Erkenntnisse gemeinsam Verbesserungsvorschlage erarbeiten zu können, erschien in der Tagespresse ein Artikel, der die Aktivitäten verschiedener Professionen trotz ihrer Beteiligung am Symposion unterschlug. Obwohl die Veranstalter/innen die Interdisziplinantät in der Pressekonferenz unterstrichen, ließen die Medien diesen wichtigen Aspekt außer acht. Dadurch erweckten sie den Anschein, die Problematisierung und Erforschung individueller und institutionellerReaktionen sei vorrangig Domäne der Justiz und der Kinderpsychiatrie. Die Rolle der Sozialpadagog(inn)en und Sozialarbeiter/innen, die nicht zuletzt als Praktikerinnen die Diskussion vorangetrieben hatten, wurde damit nicht nur ignoriert, sondern es entstand vielmehr noch das Bild der "professionelleren" Expertengruppen, die andere "Professionelle" beforschen. Die Crux dieser Konstellation liegt in den impliziten Annahmen. So konnte voreilig geschlußfolgert werden, daß diejenigen, die forschen, professioneller handeln als diejenigen, die beforscht werden und daß die Beforschten beforscht werden, weil sie eben nicht professionell genug handeln. Das Ungesagte, besser Ungeschriebene kann dementsprechend zur Hierarchisierung von Professionen führen, die im Kontext des Symposions ganz im Sinne Humboldts aufgehoben zu sein schien. Dieses Beispiel illustriert einmal mehr, wie G. Lehmkuhl betonte, daß beim Umgang mit den Medien Vorsicht geboten ist, damit nicht aus Schein Sein wird.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2236
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

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