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Titel: Kindheit und Gewalt: Täter- und Opferperspektiven aus Sicht der Kriminologie
Sonstige Titel: Children as Offenders and Victims of Violent Acts: Criminological Perspectives
Autor(en): Wetzels, Peter
Pfeiffer, Christian
Erscheinungsdatum: 1997
Zusammenfassung: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zeigt, nach einem Zeitraum relativer Konstanz in den 80er Jahren, besonders in den Jahren 1994 und 1995 einen deutlichen Anstieg der Rate tatverdächtiger Kinder, darunter auch solcher, die im Zusammenhang mit Gewalttaten registriert wurden. Allerdings ist zu beachten, daß Kinder unter 14 Jahren strafunmündig sind, weshalb deren Erfassung in der PKS hochgradig selektiv erfolgt, ihre Aussagekraft von daher sehr begrenzt ist. Auf der anderen Seite korrespondiert dieser Anstieg der registrierten Kinderdelinquenz mit einem starken Anstieg der jugendlichen und heranwachsenden Tatverdächtigen im Bereich der Gewaltdelikte, der seinerseits nicht durch Veränderungen polizeilicher Kontrollstrategien zu erklären ist. Die vorliegenden Daten sprechen vielmehr dafür, diese Veränderungen auf einen Wandel der Lebensbedingungen junger Menschen zurückzuführen, vor allem der Zunahme des Anteils junger Menschen, die von Armut betroffen sind. Bei der Debatte um das gesellschaftliche Problem kindlichen Gewalthandelns sollte jedoch nicht aus dem Blick geraten, daß Kinder ungleich häufiger selbst Gewalt ausgesetzt werden. Kriminologische wie auch psychologische Forschungsergebnisse weisen ferner auf Verbindungslinien in Form erhöhter Gewaltbereitschaft als mögliche Folge kindlicher Gewalterfahrungen hin. Es werden Ergebnisse einer repräsentativen retrospektiven Studie zur Prävalenz sexueller und körperlicher Gewalt in der Kindheit dargestellt. Danach waren 13,5% der männlichen und 16,1 °/o der weiblichen Befragten in ihrer Kindheit mindestens einmal Opfer physischer Mißhandlung oder sexuellen Mißbrauchs. Wenn die wiederholte Beobachtung gewaltförmiger Interaktionen zwischen Eltern zusätzlich einbezogen wird, so erhöht sich die Opferrate auf 18,3% für Männer und 20,5% für Frauen. Ein querschnittlicher Vergleich verschiedener Alterskohorten läßt keine signifikanten Unterschiede dieser Viktimisierungstaten erkennen, mit Ausnahme der leichten körperlichen elterlichen Gewalt, welche von der jüngsten Altersgruppen signifikant seltener berichtet wird. Dies weist daraufhin, daß es vermutlich zwar zu einer Verringerung der Akzeptanz von Körperstrafen gekommen ist, gleichzeitig aber die Rate der Kinder, die Opfer massiver Gewalt werden oder aber Gewalt ihrer Eltern gehäuft beobachten, unverändert geblieben ist.
Police crime statistics show a significant increase in the rates of violent crimes committed by children during the last two years. However, since in Germany children under the age of 14 are not accountable for criminal offences, these statistics are highly selective. On the other hand, police crime statistics also show a huge increase of violent crimes committed by juveniles and young adults which cannot be explained by changes of police Intervention strategies. It seems reasonable to attribute this mainly to changed living conditions of young people, particularly the increased proportion of children and adolescents living below the thresholds of poverty. To put the issue of violence and children in perspective, the victimization of children should not be overlooked. Criminological as well as psychological research show the devastating consequences of physical and sexual abuse experiences during childhood. Results of a representative german survey concerning the prevalence of violent victimization experiences during childhood are presented. 13,5% of the male and 16,1 % of the female respondents had been victims of severe physical or sexual abuse during childhood. If repeatedly witnessing parental violence is additionally taken into consideration, these rates are 18,3% for male and 20,5% for female respondents. A comparison of age groups failed to identify significant differences of victimization rates, except the rates of minor violence committed by parents. Thus it can be assumed tentatively, that the proportion of children subjected to severe violent acts committed by closely related adults as well as the rate of those witnessing parental violence has remained constant over time.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2264
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

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