Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/242
Titel: Mädchen mit gestörtem Essverhalten im Kontext schulischer Interaktion
Autor(en): Brochhagen-Beier, Birgit
Erscheinungsdatum: 2003
Zusammenfassung: "Ich kann sagen, dass meine Essstörung im Alter von 12 Jahren begann. Ich wog damals eindeutig zu viel. Als ich in die Pubertät kam, hatte ich viele Schwierigkeiten und Probleme. Ich kam mit meiner Periode nicht klar. Ich betrachtete sie immer als eine Strafe, die mir auferlegt wurde, hatte wenig Freunde und in der Schule wurde ich nur noch "Pummelchen" oder "Schweinchen" genannt. Und so begann ich zu Hungern, da meine Gedanken immer daran festhielten, 'wenn du dünn und schlank bist, dann hast du diese Probleme nicht mehr und jeder mag dich'." (Zitat einer Patientin des "Münchener Therapie-Centrum für Ess-störungen" in: Gerlinghoff/Backmund, 2000, 31). Dieses Zitat steht nur stellvertretend für viele ähnlich empfundene Situationen mit denen Mädchen konfrontiert sind. Es deckt sich zu Teilen mit den Erfahrungen, die ich in der offenen Jugendarbeit gemacht habe. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit dort war es, mädchenspezifische Angebote zu konzipieren und durchzuführen. In den Mädchengruppen waren Themen wie Freundschaft, Sexualität, Körper, Outfit, Schule, Diäten immer aktuell. Viele Mädchen konnte ich ein Stück auf ihrem Weg begleiten und dabei erleben, wie wichtig diese Fragen in der Adoleszenz sind. Jedes Mädchen entwickelte seinen ganz persönlichen Weg in dieser Zeit. Für viele der weiblichen Jugendlichen war der Besuch der Schule mit negativen Gefühlen besetzt. Besonders nach den Ferienzeiten konnte ich Gespräche verfolgen, in denen Mädchen von Mitschülern und Mitschülerinnen auf körperliche Veränderungen angesprochen wurden. Hier ging es häufig um die Figur - mit Fragen wie: Wer hat wie viel zu- oder abgenommen? Wer bekommt am meisten Busen? Für die Mädchen waren dies oft unangenehme Situationen. Verfolgt man die aktuellen Diskussionen in den Medien, so ist der Ruf nach Ganztagsschulen von Eltern und Politikern laut geworden. Die Umsetzung dieser Forderung würde bedeuten, dass die Kinder und Jugendlichen einen noch größeren Teil ihrer Zeit im Kontext Schule verbringen. Dies würde bedeuten, dass Schulen, die sich heute noch eher leistungsorientiert der kognitiven Reifung widmen, sich auch als Institution der Aufgabe der emotionalen Reifung stellen müssen. Ein Teil der emotionalen Reifung vollzieht sich durch die Interaktion mit den Mitschülerinnen und Mitschülern. Wie Schülerinnen diese Interaktion empfinden, soll in der vorliegenden Arbeit betrachtet werden. Die Arbeit gliedert sich in neun große Themenkomplexe. Die Sozialisation von Mädchen in der Lebensphase der Adoleszenz wird in dieser Arbeit genauer beleuchtet, um so verstehen zu können, wie schwierig diese Entwicklungsphase für Mädchen (und natürlich auch Jungen) ist. Daraus wird deutlich warum gerade in dieser Zeit Essstörungen am häufigsten auftreten. Außerdem werden die Themenbereiche Freundschaft, Peergruppen und schulische Koedukation aufgegriffen. Der Begriff "Essstörung" wird durch die Definition des DSM IV beschrieben. Um einen differenzierten Zugang zu dem Störungsbild zu erlangen und ein besseres Verstehen zu ermöglichen war es mir wichtig die verschiedenen Erklärungsansätze der aktuellen Fachliteratur zusammenzutragen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich wie vielfältig die Einflüsse gerade bei diesem Störungsbild sind. Das erstmalige Auftreten der Erkrankung erreicht seinen durchschnittlichen Höhepunkt inmitten der Adoleszenz. Der Bereich der Familie ist mittlerweile durch viele Arbeiten untersucht. Andere Lebensfelder jugendlicher Mädchen fanden bislang noch nicht diese Beachtung. Hierzu gehört der Bereich der Schule. Daher wird im nächsten Themenkomplex die Interaktion in der Schule genauer betrachtet. Unsere Kinder und Jugendlichen verbringen viele Stunden ihres Tages in der Schule, so dass diese der Verantwortung einer wichtigen Sozialisationsinstanz entsprechen muss. Sie ist eine der zentralen Lebenswelten unserer Kinder und Jugendlichen. Der Stufen- und Klassenverband kann Menschen positiv unterstützen, aber auch verunsichern. Hieraus entwickelte sich die Frage, inwieweit der Stufen- oder Klassenverband auch eine Wirkung auf das Essverhalten von Mädchen hat. "Was die Schule als Lebensfeld von Jugendlichen angeht, so ist ihre Bedeutung als Kommunikationsfeld zwischen den Geschlechtern bisher nur sehr selten thematisiert worden." (Tillmann, 1992, 8) Gerade dieses Feld der Interaktion und Kommunikation finde ich für meine Arbeit interessant. Dabei sollen auch die gleichgeschlechtlichen Beziehungen beachtet werden. Das Thema Interaktion wird zunächst definiert. Im Anschluss werden Ergebnisse bisheriger Untersuchungen zum Bereich Interaktion in der Schule zusammengetragen. Während der Literaturrecherche stellte ich fest, dass es nur wenige Autoren gibt, die sich mit diesem Thema befasst haben. Entweder sind die Untersuchungen geschlechtsspezifisch angelegt, wie zum Beispiel bei Tillmann - oder aber es werden bestimmte stark eingeschränkte Themen wie zum Beispiel der Umgang mit Gewalt, Einsamkeit von Schülern in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt. Wie entwickelt sich eigentlich ein gesundheitsförderliches Handeln? Dies ist die Frage, der ich in einem kleinen Exkurs nachgehen möchte. Die theoretischen Wurzeln für gesundheitliches Verhalten nach Ralf Schwarzer werden erläutert und ein weiteres Modell von Bernd Röhrle wird vorgestellt, zudem werden die komplexen Vorgänge, die auf gesundheitsförderliches Handeln Einfluss nehmen können, hier dargestellt. Die Untersuchung des praktischen Teils der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich bestimmter Interaktionsmerkmale, die in Klassenverbänden zu finden sind. Es werden die Selbstaussagen von Mädchen ohne gestörtes Essverhalten mit den Selbstaussagen von Mädchen mit gestörtem Essverhalten verglichen. Gibt es hier signifikante Unterschiede? Die Ergebnisse der Untersuchung werden dargestellt und kritisch hinterfragt. Im Anschluss werden die wesentlichen Ergebnisse im neunten Kapitel zusammengefasst und diskutiert, außerdem werden Impulse für die Arbeit in der Praxis gegeben. Im Anhang befinden sich die für die Untersuchung relevanten Arbeitsmaterialien.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/242
Enthalten in den Sammlungen:Kompetenzplattform Suchtforschung an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen
PsyDok

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