Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2421
Titel: Sekundäre Traumatisierungen im Kinderschutz
Sonstige Titel: Secondary Traumas in Child Protection
Autor(en): Schmitt, Alain
Erscheinungsdatum: 1999
Zusammenfassung: Qualitätsmanagement ist in aller Munde. Tatsächlich gibt es im Kinderschutzbereich nur wenig Evaluationsforschung und kaum evaluierte Praxis. Die Arbeit beschreibt sekundäre Traumatisierungen von Klienten im Helfersystem und schätzt deren Häufigkeit. Dabei wird eine Fehler- und nicht eine Wirksamkeitsperspektive eingenommen. Beispiele und Statistiken stammen vom Kinderschutzzentrum Wien. Das Risiko, als Klient/ in im Kinderschutzbereich sekundär traumatisiert zu werden, beträgt etwa 1:3. In etwa 10% der Fälle kommt es zu beträchtlichen und nachhaltigen Traumatisierungen, vom psychotischen Schub über massive Suizidalität bis zu monatelangen Angst- und Schuldgefühlen. Zum Vergleich: Das Risiko, durch Psychotherapie sekundär geschädigt zu werden, ist etwa 1:6. Psychotherapie führt in etwa einem Drittel der Fälle zu wesentlichen positiven Veränderungen; ähnliche Nützlichkeit wird dem Helfersystem bei Gewalt gegen Kinder zugeschrieben. Die Ursachen sekundärer Traumatisierungen sind: zu schnelles Handeln im Affekt; mangelndes Fachwissen (z.B. Selbst-Erfahrung, Krisenintervention); zu seltene Zuziehung neutraler Experten; mangelnde Einsicht in die Auswirkungen des eigenen ideologischen und ethischen Hintergrunds; mißtrauensbildender Umgang mit Betroffenen; massenmediale Inszenierung und Skandalisierung; bürokratische Mühlen mit Langsamkeit, Unerreichbarkeit, Widersprüchlichkeit und Desinteresse am Einzelfall; Scheuklappen- und Schulterschlußpolitik der Schadensbegrenzung im Umgang des Helfersystems mit eigenen Fehlern; Rückgang der finanziellen und personellen Mittel bei gleichzeitiger Vermehrung der Klient/innen; mangelhaft organisierte Strafjustizpraxis. Der Beitrag endet mit einer Forderung nach (mehr) Qualitätszirkeln und Supervision.
Quality management is in everybody´s mouth. Actually there is only few evaluation research in child protection, and almost no evaluated practice. The paper takes a perspective of "errors", not of "effectiveness". It roughly assesses the frequency of secondary traumas maltreated children experience when they are in care of the helping system. Examples and statistics from the "Vienna Child Protection Center" are used. The client´s risk of experiencing a secondary trauma is about 1:3. In about 10% of all cases, the traumas are important and enduring; they range from psychotic episode to massive suicidality and long-lasting feelings of guilt and anxiety. Comparatively, the risk of being traumatized by psychotherapy is about 1:6. Psychotherapy leads to important and positive changes in about one third of all clients; similar effectiveness is attributed to those helping maltreated children. Causes of secondary traumas are: Helpers act too quickly in the heat of affect; they lack specialized knowledge (e.g. self-experience, crisis management); they seldom consult with neutral experts; they have few insight in the effects of their ideological and ethical back-ground; they deal with clients in a distrust enhancing way. On the structural level, I discuss sensationalism and scandalism of massmedia; bureaucratic procedures and their slowness, unaccessibility, inconsistency and indifference to the single case; policy of damage control when errors of the helping system become public; parallelism of decreasing financial/personal support and increasing numbers of customers; badly organized practice in criminal justice. The paper ends by demanding (more) quality circles and supervision.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2421
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

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