Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2536
Titel: Aussonderung und Vernichtung - Der Umgang mit "lebensunwerten" Kindern während des Dritten Reiches und die Rolle der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Sonstige Titel: Selection and killing – The treatment of children “not worth living” during the period of National Socialism and the role of child and adolescent psychiatry
Autor(en): Dahl, Matthias
Erscheinungsdatum: 2001
Zusammenfassung: Von den Maßnahmen zur Vernichtung "lebensunwerten Lebens" während des Nationalsozialismus waren unangepaßte, verhaltensauffällige und behinderte Kinder und Jugendliche in vielfältiger Hinsicht betroffen. Die Nationalsozialisten knüpften hierbei an die Forderungen an, die bereits zuvor erhoben worden waren. Kinder und Jugendliche wurden zu Opfern einer NS-Erziehung, die auf Selektion und Ausgrenzung ausgerichtet war. Drastische Beispiele einer solchen Erziehung waren die Jugend-Konzentrationslager. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden etwa 375.000 Menschen zwangsweise sterilisiert, weil sie als erbkrank galten. Die Indikationen für eine Unfruchtbarmachung waren in der Praxis recht weit gefaßt. Als man Zwangssterilisationen zu Beginn des Krieges allgemein einschränkte, waren Jugendliche bei "erhöhter Fortpflanzungsgefahr" weiterhin betroffen. Ebenfalls ab Kriegsbeginn liefen zahlreiche Tötungsaktionen an, die sich gegen erwachsene Patienten psychiatrischer Anstalten richteten. Hierbei kamen über 160.000 Patienten ums Leben, darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche. Unabhängig davon war die Kinder-"Euthanasie" organisiert, die den Versuch darstellte, auf wissenschaftliche Weise den "Lebenswert" eines Kindes zu bestimmen. In "Kinderfachabteilungen" wurden körperlich und geistig behinderte Kinder und Jugendliche auf ihren "volkswirtschaftlichen Wert" hin untersucht und beobachtet. Fiel die Prognose ungünstig aus, wurden die Kinder mit Medikamenten oder durch Nahrungsentzug zu Tode gebracht. Eine weitere Aufgabe der "Kinderfachabteilungen" lag in der Realisierung von Forschungsprojekten, bei denen der Tod der Kinder bewußt einkalkuliert wurde. Ein wichtiges Forschungsgebiet bildete die pathologisch-anatomische Hirnforschung. Schließlich wird in dem Beitrag auf die Rolle der Kinder- und Jugendpsychiatrie während der NS-Zeit eingegangen. Aus einer zunehmenden Anerkennung als eigenständiges medizinisches Fach resultierte 1940 die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Kinderpsychiatrie und Heilpädagogik. Auf der Gründungsveranstaltung erhoben Referenten Forderungen, die wenig später in die Tat umgesetzt wurden. Darüber hinaus waren Jugendpsychiater maßgeblich an der Kinder-"Euthanasie" beteiligt. Eine umfassende Analyse der Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie steht noch aus.
During the period of National Socialism in Germany, many "asocial", mentally retarded or disabled minors were persecuted. Several measures had been discussed theoretically before, but the National Socialists put the theoretical proposals into practice. As a result children and adolescents were separated, sterilized or killed. In concentration camps so-called "depraved" minors were selected to get special education. The object of this effort was to adapt minors to the ideology of national socialism. After passing the law to sterilize patients with "hereditary diseases" in 1933 about 375.000 people were sterilizised unvoluntarily. In 1939 sterilizations came to an end except for adolescents at "high risk of reproduction". During the second world war more than 160.000 adult psychiatric patients were murdered. In addition to that, also a large number of disabled and mentally retarded minors were killed. This campaign was called child "euthanasia". Physicians tried to determine children's "value of life" by economic criteria. Children with negative ratings (i.e. inability to work or insufficient mental maturing) were killed by fasting "cures" or by barbiturates. Beyond that children were also used as research subjects. Their death was an accepted consequence. Physicians were also very interested in brain research. Finally, the relation to German child and adolescent psychiatry will be analysed. In the special political and social context of the Third Reich the German child and adolescent psychiatry became more significant. As a result of this the German association of child and adolescent psychiatry and allied professions was founded 1940 in Vienna. On this conference, some speakers suggested to persecute "asocial" minors. This suggestion was realized consequently. Up to now, the role of the German child and adolescent psychiatry has not been thoroughly discussed.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2536
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

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