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Titel: Die NS-"Kinder-Euthanasie"-Aktion in der Provinz Westfalen (1940-1945)
Sonstige Titel: The National Socialist “child euthanasia” action in the province Westphalia (1940-1945)
Autor(en): Walter, Bernd
Erscheinungsdatum: 2001
Zusammenfassung: Im Rahmen der Organisationsstruktur des "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden" wurden in der Provinz Westfalen im jugendpsychiatrischen St. Johannesstift in Niedermarsberg (Ende 1940), dann in der Provinzialheilanstalt Aplerbeck (Ende 1941) "Kinderfachabteilungen" eingerichtet. Deren Aufbau und die Rekrutierung des Personals erfolgte in enger Kooperation mit den Provinzialbehörden. In Niedermarsberg wurden auch externe Schwestern eingesetzt. Als trotz der Geheimhaltungsbemühungen die Vorgänge auf der Marsberger Abteilung an die Öffentlichkeit drangen, sah sich der Provinzialverband zur Einrichtung der Ersatzabteilung in Dortmund-Aplerbeck gezwungen. Sie wurde personell und institutionell stärker in die anstaltsinternen und regionalen Versorgungsstrukturen integriert als ihre Vorgängereinrichtung. Das Verfahren der "Kinder-Euthanasie" beruhte auf einer Kombination von hierarchischen Entscheidungsstrukturen, begrenzter Zuständigkeit und wissenschaftlicher Legitimation. Es eröffnete den Ausführenden Handlungsoptionen und Rückzugsmöglichkeiten und verlagerte das Geschehen für die betroffenen Eltern in eine psychologische Grauzone, die nicht zu prinzipiellen Entscheidungen zwang. Die inneren Verhältnisse der "Kinderfachabteilungen", die Abläufe und die "Behandlung" der Kinder waren klar geregelt; das "Euthanasie"-Geschehen selbst wird durch Zeugenaussagen nur bruchstückhaft greifbar. Durch eine Analyse der Aufnahmebücher in Verbindung mit den Krankenakten sind Aussagen zum Umfang der Todesfälle, zur Todesrate und -ursache sowie zu einigen sozialen Merkmalen der Kinder möglich. Das Schicksal der Kinder in den westfälischen "Kinderfachabteilungen" zeigt, daß sich die Arbeit in diesen regionalen "Reichsausschußstationen" auf die Pflege, Beobachtung, Selektion und Tötung beschränkte. Es entlarvt wissenschaftliche Legitimationsversuche als eine vordergründige Verschleierungsstrategie.
As part of the organization structure of the "Reich committee for scientifically registering ge- netic and inherent serious illnesses" "childrens' special wards" were established in the province Westphalia in the child-psychiatry St. Johannesstift in Niedermarsberg (end of 1940), and then in the Provinzialheilanstalt Aplerbeck (end of 1941). The establishment thereof and personnel recrulting were done in close operation with provincial authorities. In Niedermarsberg external nurses were also employed. When the activities in the Marsberger ward became public despite efforts to keep them secret, the provinical association felt forced to establish a replacement ward in Dortmund-Aplerbeck. This ward was integrated stronger into the hospitalinternal and regional care structures regarding personnel and institutional aspects than the previous ward. The actions of "child euthanasia" were based on a combination of hierarchical decision-making structures, limited responsibility, and scientific justification. The people performing these activities were provided action options withdrawal possibilities. For the affected parents the events were shifted into a psychological grey area which did not force decisions in principle. The internal conditions of the "childrens' special wards", the procedures and the "treatments" of the children were clearly regulated; the "euthanasia" activities themselves can be comprehended only in fragments from testimonies. By analyzing the reception books in connection with the medical files it is possible to make statements regarding the number of deaths, the death rate and cause, and also several social characteristics of the children. The fate of the children in the Westphalian "childrens' special wards" shows that the work in these regional "Reich committee wards" was limited to caring, observing, selecting and killing. The attempts of scientific justification are exposed as cover-ups.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2538
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

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