Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/260
Titel: Die Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft : Psychologie im Universitätsbetrieb
Autor(en): Vinnai, Gerhard
Erscheinungsdatum: 1993
Zusammenfassung: Der bestehende Universitätsbetrieb bedarf der grundlegenden Kritik. Das Buch will sie exemplarisch am Fach Psychologie üben, wo die Misere der Wissenschaft besonders drastisch zum Ausdruck kommt. Aufklärerisches Denken, das Menschen helfen soll, sich aus äußeren und inneren Zwängen herauszuarbeiten, darf heute nicht schlicht mit wissenschaftlichem Denken gleichgesetzt werden. Die Kritik der Wissenschaft hat deren unfrei machende Züge sichtbar zu machen und auf Perspektiven ihrer Überwindung hinzuweisen. Die Psychologie an der Universität wird von Vertretern einer Wissenschaftsrichtung beherrscht, die sich am naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal orientieren. Das Buch soll aufzeigen, welche fatalen Konsequenzen das für das Fach Psychologie hat. Seit Erscheinen des Buches hat sich in der Wissenschaft einiges verändert, die Kritik, die es übt, hat leider dadurch nichts an Aktualität eingebüßt. Anhänger der etablierten Universitätspsychologie werden bei der Lektüre meiner Kritik wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass ich mich mit ihren wissenschaftlichen Anstrengungen unseriös auseinandersetze. Man wird mir wohl vorwerfen, dass ich sie wegen ideologischer Scheuklappen nicht erfassen kann. Ich gehe aber davon aus, dass die Vertreter der etablierten Psychologie ihre eigene Praxis nicht wirklich begreifen. Nur die Darstellung dieser Praxis aus einer anderen Perspektive als der ihrigen ist nach meiner Ansicht in der Lage, deren geheime, schlimme Wahrheit sichtbar zu machen. Die Krise der Wissenschaft hat mit einer übersteigerten wissenschaftlichen Arbeitsteilung zu tun. Im Fach Psychologie geraten durch sie soziale Zusammenhänge aus dem Blickfeld, die durchdrungen werden müssen, um der Qualität des Psychischen gerecht zu werden. Der Text versucht deshalb, sich nicht an bornierte universitäre Fachgrenzen zu fesseln. Er verknüpft psychologische Einsichten mit philosophischen, soziologischen oder historischen Befunden. Der Text ist in drei Teile gegliedert. Ein erster Teil hat seinen Schwerpunkt in der Kritik psychologischer Denkmodelle und Forschungsmethoden. Ein zweiter Teil bemüht sich um eine Kritik an den Arbeits- und Verkehrsformen des bestehenden Universitätsbetriebes und der ihm entsprechenden wissenschaftlichen Rationalität. Ein dritter Teil will auf Perspektiven der Veränderung in der Psychologie hinweisen. Zu den Abschnitten des ersten Teils: Das Eingangskapitel über >>Die Schule der Sprachlosigkeit<< gibt am Beispiel des Schicksals der Sprache und des Sprechens an der Universität erste Hinweise auf die Misere des Faches Psychologie wie des Universitätsbetriebs insgesamt. Die naturwissenschaftlich orientierte Psychologie will mit Hilfe von Experimenten die Kontrolle über Psychisches erlangen, mit Hilfe von quantitativen Methoden will sie es berechenbar machen: Sie ist damit bewusst oder unbewusst auf die Beherrschung von Menschen ausgerichtet. Dass bei einer derartigen Orientierung die Suche nach Erkenntnis allzu leicht durch das Bemühen um Kontrolle ersetzt wird, zeigt das Kapitel über >>Die Herrschaft der Kontrolleure<<. Die akademische Psychologie ist stolz darauf, kritische Erfahrungswissenschaft zu sein und sich bloßen Glaubenssätzen zu widersetzen. Wie sich dieser Anspruch in sein Gegenteil verkehrt, zeigt das Kapitel >>Empirische Forschung als angepasste Realitätsverleugnung<< anhand einer Kritik der experimentellen Psychologie. Das experimentelle Vorgehen, das in der Psychologie bevorzugt wird, verbindet diese mit quantitativen Methoden. Im Kapitel >>Unter der Diktatur des Quantitativen<< geht es um deren grundlegende Kritik. Zu den Abschnitten des zweiten Teils: Der Abschnitt über >>Utopie und Wirklichkeit der Universität<< macht deutlich, welche Ansprüche in die Idee der modernen Universität eingegangen sind und welche sozialen Prozesse die Verwandlung der Universität in eine Wissenschaftsfabrik bewirkt haben, die diese Ansprüche weitgehend geopfert hat. Das Kapitel >>Curriculum macht alle dumm<< liefert eine Kritik des vorherrschenden Zustandes der universitären Lehre. Der Abschnitt >>Die Universität als Berufsfachschule<< macht deutlich, wie ein verkürztes Verständnis des Verhältnisses von Theorie und Praxis das offene, kritische Denken an der Universität blockiert. Zu den Abschnitten des dritten Teils: Das Kapitel über >>Die Leugnung der Differenz<< zeigt auf, wie eine vom theoretischen Denken negierte Geschlechterdifferenz unterschwellig in die Wissenschaft eingeht. Der Text >>Zur Rekonstruktion der Erfahrungsfähigkeit<< gibt Hinweise darauf, auf welchen Erfahrungsbegriff und welches Verhältnis zur menschlichen Subjektivität eine veränderte Psychologie angewiesen ist. Das Buch soll helfen, den einschüchternden Anspruch der etablierten Wissenschaft als weitgehend hohl zu durchschauen. Dadurch könnte es unkonventionellem, offenem Denken Mut machen.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/260
Enthalten in den Sammlungen:PsyDok

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