Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/274
Titel: Die Fähigkeitskonzeption der Persönlichkeit und ihre Bedeutung für die Moralerziehung.
Autor(en): Doenges, Donald
Erscheinungsdatum: 1978
Serie/Report Nr.: Berichte aus der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"; 002
Zusammenfassung: Eltern möchten, daß ihre heranwachsenden Kinder nicht hin und wieder, sondern stets das Eigentum anderer Mitbürger respektieren. Lehrer wünschen, ihre Schüler würden sich bei Leistungsprüfungen immer ehrlich verhalten und nicht nur, wenn es sich gerade ergibt. Für viele Bereiche des Lebens strebt die Moralerziehung ein Soll an, das durch eine hohe Konsistenz moralischer Entscheidungen gekennzeichnet ist. In anderen Lebensbereichen sieht es zunächst so aus, als wäre aus der Sicht der Erzieher die Konsistenz nicht unbedingt erstrebenswert. Sie möchten, daß Kinder zwar eine Bereitschaft zu Hilfehandlungen zeigen, dämpfen aber diese Tendenzen, wenn für das Kind in der speziellen Situation Gefahren sichtbar werden. Sie versuchen, Heranwachsende nicht zum absoluten Verzicht, sondern zum gemäßigten und situationsgerechten Gebrauch von Genußmitteln zu bewegen. Diese Ausnahmen reichen aber nicht aus, um die Konsistenz-Regel des Moralverhaltens umzustoßen, sie bestätigen sie nur innerhalb eng gezogener Grenzen wieder. Menschen möchten sich konsistent verhalten und möchten meist auch, daß andere dies tun. Ob sie es können, ist eine zweite, für die Moralerziehung grundlegende Frage: Könnte man annehmen, daß stabile Charaktereigenschaften existieren, dann dienten diese sicher als Fundament für konsistentes Moralverhalten. Wenn andererseits Ähnlichkeiten zwischen moralischen Entscheidungssituationen ausgeprägt sind, dürfte eine Verallgemeinerung von Entscheidungstendenzen von einer Lebenslage zur nächsten oft in vorhersagbarer Art und Weise stattfinden. Einer bekannten Konzeption der Persönlichkeit zufolge stellen derart fundierte Hoffnungen auf konsistentes Verhalten - in welchen Lebensbereichen auch immer - Relikte wissenschaftlicher Vergangenheit dar; wegen einer Vielzahl inter- und intraindividueller Unterschiede und wegen der Variabilität von Situationen sei damit zu rechnen, daß das Verhalten von der jeweiligen Situation und dem momentanen Zustand des Organismus abhängt. Diese als Interaktionismus bekannte Konzeption bezieht somit eindeutig Stellung in bezug auf die Möglichkeiten, konsistentes Moralverhalten zu erzeugen. Der Grad der Bestätigung des Interaktionismus als Theorie menschlichen Verhaltens scheint die Grenzen einer gezielten Moralerziehung klar anzudeuten.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/274
Enthalten in den Sammlungen:Berichte der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"
PsyDok

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