Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/282
Titel: Der Glaube an eine gerechte Welt: Zur Güte einer deutschen Version der Skala von RUBIN & PEPLAU.
Autor(en): Dalbert, Claudia
Erscheinungsdatum: 1982
Serie/Report Nr.: Berichte aus der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"; 010
Zusammenfassung: Die vorliegende Arbeit entstand in ihren neueren Teilen im Rahmen des Forschungsprojektes "Entwicklung interpersonaler Verantwortlichkeit und interpersonaler Schuld". Im Alltag wie im Experiment, läßt sich leicht beobachten, daß Vorgänge häufig auch dann noch als gerecht, als verdient interpretiert werden, wenn dies offenkundig nicht der Fall ist. Der Lottogewinner hat hart gearbeitet, der Arme ist dumm oder der Schöne empfindsam; das Opfer einer Beziehung wird häufig geleugnet, wie LERNER und Kollegen (zusammenfassend LERNER 19 70) in verschiedenen Laborexperimenten zeigen konnten. Für viele Menschen scheint es sehr wichtig zu glauben, in einer Welt zu leben, in der jeder bekommt, was er verdient. Sieht die Person keine Möglichkeit, Ungerechtigkeit zu verhindern oder Gerechtigkeit wieder herzustellen, kann der Glaube an die Welt als gerechtem Ort als Fiktion aufrecht erhalten werden. Diese Fiktion scheint häufig weniger schmerzhaft, als das Wissen um Ungerechtigkeit zu ertragen und so Kontrollverluste zu erleiden. LERNER (1977) spricht von der Entwicklung eines Gerechtigkeitsmotivs . Die Ausführung der durch dieses Motiv initiierten Handlungen wird durch die jeweilige Situation mitbestimmt. So konnte etwa gezeigt werden, daß es einem Beobachter einer ungerechten Handlung immer dann leichter fällt, diese Ungerechtigkeit zu konstatieren, wenn er die Möglichkeit sieht, Gerechtigkeit wieder herzustellen (z.B. LERNER & SIMMONS 1966). Dies gilt gleichfalls für Ausbeuter und Opfer einer Beziehung. Die Möglichkeiten zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit sind vielfältig wie WALSTER, BERSCHEID & WALSTER (1970) aufweisen; so kann beispielsweise der Nutznießer einer ungerechten Verteilung das Leid des. Ausgebeuteten herunterspielen oder die Verantwortung für die Tat leugnen, der Ausgebeutete selber kann etwa die Tat des Ausbeuters entschuldigen oder Vergeltung ankündigen (zum Überblick über die just-world-Forschung siehe LERNER 1980). Aber auch die Interaktion zwischen dem von LERNER postulierten Gerechtigkeitsmotiv und Situationseinflüssen erklärt nicht die ganze Palette vorfindbarer Reaktionen auf Ungerechtigkeiten. Nicht alle Menschen verleugnen Ungerechtigkeiten, die ihnen selbst oder anderen widerfahren, wenn sie sie nicht sofort beseitigen können. Wir erleben, daß sich einzelne Bürger - häufig ohne Kosten und Mühen zu scheuen - für anonyme Fremde einsetzen, ohne daß sie mit Dankbarkeit oder anderem persönlichen Nutzen rechnen können. Hier ist z.B. an die Mitglieder von Amnesty International zu denken. Aber wir wissen bisher wenig über das Erleben von Verantwortlichkeit und Schuld gegenüber anonymen Fremden, über dessen Korrelate, Entstehungs- und Veränderungsbedingungen. Die just-world-Forschung legt die Annahme nahe, daß erlebte Verantwortlichkeit für anonyme Fremde negativ korreliert mit dem Glauben an eine gerechte Welt (MONTADA 1981) . Soll diese Annahme im Rahmen des Projektes einer Prüfung unterzogen werden, wird hierzu ein Instrument benötigt, das verläßlich über interindividuelle Unterschiede bezüglich des Ausmaßes, an eine gerechte Welt zu glauben, Auskunft gibt.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/282
Enthalten in den Sammlungen:Berichte der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"
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