Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2866
Titel: Kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung von psychisch belasteten Heimkindern
Sonstige Titel: Psychiatric support for children and adolescents in residential care in a german sample
Autor(en): Nützel, Jakob
Schmid, Marc
Goldbeck, Lutz
Fegert, Jörg M.
Erscheinungsdatum: 2005
Zusammenfassung: Jugendliche, die in stationärer Jugendhilfe leben, stellen eine Hochrisikopopulation für die Entwicklung psychischer Beeinträchtigungen und psychiatrischer Erkrankungen dar. Im Rahmen einer epidemiologischen Studie wurde untersucht, welcher Anteil psychisch auffälliger Jugendlicher in Heimen eine psychotherapeutische oder psychopharmakologische Behandlung erhält und welcher Bedarf an Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie von der Jugendhilfe artikuliert wird. In einem zweistufigen Untersuchungsgang wurden 689 Kinder und Jugendliche aus 20 südwestdeutschen Jugendhilfeeinrichtungen diagnostiziert. In einer Screeninguntersuchung auffällige Kinder und Jugendliche wurden mit einem standardisierten klinischen Interview nach ICD-10-Kriterien diagnostiziert. Gleichzeitig wurde der psychiatrische, psychotherapeutische und psychopharmokologische Behandlungsstatus erhoben und mit dem Vorliegen psychischer Störungen korreliert. Kooperationswünsche der Jugendhilfe an die Kinder- und Jugendpsychiatrie wurden mit einem selbst konstruierten Fragebogen erhoben. 57,1 % der im zweiten Untersuchungsgang untersuchten Kinder und Jugendlichen erfüllten die Kriterien mindestens einer ICD-10 (F)-Diagnose. Externalisierende Störungsbilder waren mit einemn Anteil von 82,6 % die häufigsten Diagnosen, es fand sich eine hohe Rate komorbider Störungen. Hyperkinetische Störungsbilder wurden mit einer Rate von 25 bis 33 % am häufigsten medikamentös behandelt. Die Behandlungsraten internalisierender und externalisierender Störungsbilder ohne komorbide ADHS-Symptomatik lagen zwischen 3,2 % (Störungen des Sozialverhaltens) und 15 % (depressive Störungen). Eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erhielt etwa die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen mit einer psychischen Störung. Die am häufigsten genannten Wünsche der Jugendhilfe zur Kooperation waren verbesserte interdisziplinäre Kommunikation, z. B. durch Weitergabe schriftlicher Befunde und die Möglichkeit für kurzfristige stationäre Kriseninterventionen. Während aufsuchende kinder- und jugendpsychiatrische Dienste und interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltungen im Mittelfeld lagen, wurde am wenigsten Notwendigkeit in der Teilnahme von Ärzten an Hilfeplangesprächen gesehen. Im Hinblick auf die hohe psychische Belastung in Heimen lebender Kinder und Jugendlicher sollte die Kooperation zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und stationärer Jugendhilfe sowohl im Hinblick auf eine intensivierte Versorgung als auch auf verstärkten fachlichen Austausch ausgebaut werden. Schlagwörter: Kinder - Jugendliche - Heimerziehung - psychische Störung - Psychopharmakotherapie
Children and adolescents in residential care represent a high risk population for mental disorders. We examined in an epidemiologic survey the level of professional psychopharmacological and psychotherapeutic treatment in relation to the prevalence of mental disorders among this group. The study includes 689 children and adolescents living in 20 residential care institutions in a two-step design. Participants with elevated scores in a screening questionnaire were then assessed by a standardized clinical examination. Data on psychopharmacological and psychotherapeutic treatment were obtained and correlated with the prevalence of mental disorders. Wishes for cooperation with psychiatry on the part of the child welfare providers were recorded by a self-constructed questionnaire. 57,1 % of the children and adolescents of our sample fulfilled the criteria for one or more ICD-10 F diagnosis. As most frequent disorders we found conduct disorders (CD), ADHD and depressive disorders. Highest levels of psychopharmalogical treatment were found in ADHD (25 to 33,3 %), half of the children and adolescents with ICD-10 F diagnosis got psychiatric or psychotherapeutic treatment. Compared to the high prevalence of severe mental disorders in children and adolescents living in residential care the levels of psychopharmacological and psychiatric/psychotherapeutic treatment seem to be low, especially in those with conduct disorders (CD) and ADHD. Cooperation between the child welfare providers and child and adolescent psychiatry services should get intensified. Adequate psychiatric diagnostic and multimodal therapeutic procedures are necessary. Key words: adolescents - child welfare system - mental health - psychopharmacology - residential care
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/2866
ISSN: 0032-7034
Enthalten in den Sammlungen:Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie

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