Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/294
Titel: Feindseligkeit – Friedfertigkeit
Autor(en): Montada, Leo
Erscheinungsdatum: 1984
Serie/Report Nr.: Berichte aus der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"; 026
Zusammenfassung: Wie die Berichte über Aggressionen in aller Welt die Medien füllen, so füllt die psychologische Forschung über Aggression Bücher und Zeitschriften. Ein Großteil der Forschung wurde experimentell in Laboratorien realisiert, ein anderer Teil an klinisch auffälligen Personen. Es ist Vorsicht geboten, will man Resultate aus Experiment und Psychopathologie auf den Alltag in Ehe, Familie, Schule, Betrieb, Straße, Wirtshaus, nationale und internationale Politik übertragen. Es gibt aber auch systematische Feldstudien in Familie und Ehe, in Gefängnissen und Ehen, über Gewalt in der Sexualität, in politischen und rassischen Auseinandersetzungen, über Brutalität im Krieg usw. Das Problemfeld ist weit, jeder Einzelfall hat seine Besonderheiten. Mehr als einige Schlaglichter zu werfen, ist nicht möglich. Ich will einige Thesen vortragen und abschließend an einem aktuellen Beispiel - der Polarisierung in der Nachrüstungsdebatte - aufzeigen, wie schwierig es ist, Feindseligkeit zu mindern, aber auch: daß es nicht unmöglich ist. Zuvor eine Begriffsbestimmung. Mit Aggression ist gemeint eine Schädigung oder Beeinträchtigung oder eine Drohung mit einer Schädigung. Es gibt Fälle - denken Sie an den Chirurgen oder den Erzieher -, in denen durch eine partielle Schädigung größerer Schaden verhindert werden soll. In diesen Fällen sprechen wir nicht von Aggression, aber - wie etwa bei Konflikten zwischen Eltern und Jugendlichen - die Meinungen über die positiven, präventiven Wirkungen einer Maßnahme mögen auseinandergehen. Geschädigt oder beeinträchtigt oder bedroht werden kann vieles: Gesundheit und Leben, das Bild, das jemand von sich selbst hat, das Bild, das in der Öffentlichkeit von ihm besteht, Sicherheiten wie Besitz oder Position, seine sozialen Beziehungen, seine Freiheit... Wer bedroht uns, kann uns schädigen: der Stärkere, auch der Staat, der Kriminelle, der Neider, der Neuerer, der Abweichler, der Andersdenkende, der Fremde. Schädigungen oder Drohungen haben viele Formen: körperliche Gewaltanwendung, Verunglimpfung, Freiheitsentzug, soziale Isolierung und Ächtung, Abwertung und Verleumdung, Entzug von Sicherheiten, Entzug von Besitz und Privilegien. Nicht alle wahrgenommenen Bedrohungen sind real, es gibt eingebildete. Auf die Schädigungen und Bedrohungen gibt es die unterschiedlichsten Erwiderungen: Unterwerfung, Rechtsklage, kompensatorische Anstrengung, Suche nach neuen Sicherheiten (etwa in Solidargemeinschaften) usw. aber eben auch: Gegenaggression. Eine der Thesen, die ich vortragen werde, ist die, daß ein Großteil der Aggression als Verteidigung angesehen wird, durch Angst motiviert ist und als Gegenaggression, als Abwehr oder als Vergeltung gerechtfertigt wird. Aggression ist in unserer Gesellschaft zwar geächtet, aber nur wenn sie nicht gerechtfertigt erscheint. Es sind viele moralische, politische, legale Rechtfertigungen in Gebrauch, zu viele, als daß wir Friedlichkeit im Umgang miteinander erwarten dürfen. Manche der folgenden Thesen ist vielleicht trivial. Manches hat man vielleicht immer schon so gesehen. Wozu braucht man dann Wissenschaft und mehr oder weniger teuere Forschung? Man hat sich im Laufe der Zeiten manches gedacht, auch vieles Widersprüchliche. Es ist eine der Aufgaben der Wissenschaft, zwischen zutreffenden und nicht zutreffenden überlieferten Überzeugungen zu entscheiden, so plausibel jede für sich genommen erscheinen mag. Ich will deshalb beginnen mit einigen verbreiteten Meinungen über Aggression, die man heute als nicht gültig einzuschätzen hat.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/294
Enthalten in den Sammlungen:Berichte der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"
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