Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/3558
Titel: Diagnostik in der Psychotherapie - was heißt das?
Autor(en): Plaum, Ernst
Hünerfauth, Thomas
Erscheinungsdatum: 2004
Zusammenfassung: Nachdem es etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint, Diagnostik in der klinisch-psychologischen Praxis abzuwerten oder gar für entbehrlich zu halten (Standardformulierung zahlreicher Kolleginnen/Kollegen: "Ich mache keine Diagnostik, ich mache doch Therapie!"), sieht es so aus, als seien nunmehr bessere Zeiten für diagnostisch tätige Psychologinnen/Psychologen gekommen. Als eine/ein solche/r ist man daher zunächst durchaus erfreut, wenn Laireiter (2003) "aus der Praxis für die Praxis" eine "fachgerechte Diagnostik" fordert. Der Autor spricht denn auch in diesem Zusammenhang ganz essentielle Gesichtspunkte an. So kann der Hinweis auf die im Einzelfall bestehende Diagnostikpflicht kaum überbetont werden, eine Forderung, die bereits vor Jahren auch aus juristischer Sicht erhoben wurde (Fehnemann, 1988), aber weitgehend unbeachtet blieb, übrigens sehr zum Nachteil berufsständischer Interessen (und natürlich auch solcher der Klienten). Diagnostik ist — so Laireiter — zentral, entscheidend wichtig, unbedingt erforderlich. Dem kann nur vorbehaltlos und mit Nachdruck zugestimmt werden. Sieht man von dem längst nicht mehr originellen Begriff "Qualitätssicherung", der Gewinnung von Qualitätskriterien, einmal ab - zweifellos müssen solche Hinweise heute kommen —, so scheint endlich auch der Gedanke einer therapieschulenüber-greifenden Diagnostik Fuß zu fassen (Laireiter, 2003, S. 28), obgleich der Autor, wie seine weiteren Ausführungen zeigen, diese Rahmenkonzeption nicht in letzter Konsequenz durchhält. Positiv zu vermerken wäre auch die nicht ausschließliche Hinorientierung auf Therapie (S. 30), "nicht nur aus Sicht des Psychotherapeuten" (S. 32), doch auch diesbezüglich vermisst man bei Laireiter eine klare Linie. Immerhin erfreut die Erwähnung quantitativer Methoden, neben qualitativen, auch wenn dies in der Diagnostik keinen Neuigkeitswert hat, und schließlich ist die Betonung der "Multimodalität" wohl noch immer notwendig, wenn auch höchst trivial. Nebenbei bemerkt kann man den letztgenannten Begriff nicht als besonders glücklich bezeichnen, obgleich er seit vielen Jahren in der Klinischen Psychologie mitgeschleppt wird, weil ihn ein bekannter angloamerikanischer Therapeut gebraucht hat (Comer, 1995). Dies soll hier aber nicht weiter vertieft werden. Den eben erwähnten positiven Seiten des Artikels von Laireiter stehen andere Inhalte gegenüber, die bestenfalls zu Missverständnissen Anlass geben, im schlimmsten Falle jedoch ein falsches Verständnis psychologisch-klinischer Diagnostik offenbaren. Es kann in dieser Stellungnahme nur auf die wichtigsten kritischen Punkte eingegangen werden.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/3558
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