Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/3580
Titel: Die Auswirkungen des Chronotypus auf Verhalten und Erleben über die Lebensspanne
Autor(en): Dinich, Jenny
Erscheinungsdatum: 2004
Zusammenfassung: Die Zeit ist unser wichtigstes Gut. Mehr denn jemals zuvor trifft diese Aussage auf die Gegenwart zu. Die rasante technologische Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren fordert von uns, immer mehr zu lernen, uns an die Fortschritte konstant anzupassen, Neues in einer Geschwindigkeit zu internalisieren, um "am Puls der Zeit" zu bleiben. Auf der anderen Seite wissen wir, dass es biologische Rhythmen und altersbedingte Veränderungen der zeitlichen Ordnung gibt, die der Mensch im Laufe der Phylogenese entwickelt hat. Die Chronobiologie und die Chronomedizin beschäftigen sich mit den Wirkungen dieser biologischen Rhythmen. Die Zeitstrukturen des Lebens entwickeln sich im Einklang mit den Zeitordnungen der geophysikalischen und kosmischen Umwelt der Organismen und sichern damit eine optimale Einpassung der Lebensäußerungen und Verhaltensweisen in die wechselnden Umweltbedingungen. Die biologischen Tagesrhythmen (z.B. der 24-Stunden-Tag/Nacht-Rhythmus) sind eine "innere Uhr" und jeder Mensch reagiert unterschiedlich empfindlich auf Störungen der natürlichen Rhythmen. Die meisten kennen die Anpassungsschwierigkeiten bei Reisen in andere Zeitzonen, den so genannten "jet lag". Je weiter die Zeitzonen auseinander liegen, umso schwieriger ist üblicherweise die Umstellung. Empfindliche Menschen reagieren schon auf Zeitverschiebungen von einer Stunde, was sich auch in der Diskussion über die Sommerzeit widerspiegelt. Bereits eine Zeitverschiebung von einer Stunde hat Auswirkungen auf die "innere Uhr": Sämtliche Körperfunktionen sind phasenverschoben und benötigen zumindest einen ganzen Tag zur Anpassung an die "äußere Uhr". Spürbar sind z.B. Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Stimmungstief. Die Umstellung auf die Sommerzeit, die einen 23-Stunden Tag mit sich bringt, hat Auswirkungen: Studien zeigen, dass durch diesen Mini-Jetlag z.B. Verkehrsunfälle um acht Prozent ansteigen (Saletu, 2001). Darüber hinaus bezeichnen sich viele Menschen intuitiv als "Morgen- oder Abendmensch". In der Chronobiologie werden diese Unterschiede als Chronotypen (Roenneberg et al., 2003) erfasst; umgangssprachlich bezeichnet man den Morgentyp als "Lerche" und den Abendtyp als "Eule". Manche Anforderungen unserer modernen Zeit (24-Stunden Dienstleistungen wie Call Centers, transmeridiane Flüge, Vielflieger wie Manager, Politiker, Spitzensportler und Flugpersonal, etc.) laufen den natürlichen chronobiologischen Rhythmen des Menschen zuwider. Die dadurch entstehende Dauerbelastung wirkt sich negativ auf den allgemeinen Gesundheitszustand des Menschen und auf die Leistungsfähigkeit aus. In vielen Bereichen der Arbeits- und Organisationspsychologie, Medizin, Sozialpsychologie und Entwicklungspsychologie, wird die Berücksichtigung des individuellen Chronotypus immer bedeutsamer. Die Literaturrecherche zeigte, dass es nur einige dutzend wissenschaftlicher Artikel zu den Fragen des Chronotypus und deren Auswirkungen auf das Verhalten und Erleben des Menschen gibt. Der Großteil davon beschäftigt sich in Bezug auf Chronotypen mit den Auswirkungen der internen Desychronisation durch Schichtarbeit auf das Individuum. Weitere häufig untersuchte Aspekte sind biologische Parameter wie der Melatonin-Rhythmus (Gibertini et al., 1999), Lichteffekte sowie die Körpertemperatur und die Schlaf/Wachrhythmik (Blake, 1971; Horne & Östberg, 1976; Lavie & Segal, 1989). Basierend auf dem bisherigen Forschungsstand geht es in dieser Arbeit um eine weiterführende Untersuchung der Chronotypen und deren Bezug zum Alltagsleben. Das Ziel ist eine generationenübergreifende Erhebung der Chronotypen (Morgentypen, Abendtypen, Mischtypen) in der Bevölkerung - von Kleinstadtbewohnern bis zu Großstadtbewohnern. Von der Annahme ausgehend, dass der individuelle Chronotypus wenig bis keine Berücksichtigung im Alltagsleben findet, wie etwa im Berufsalltag deutlich wird, soll die Notwendigkeit dessen in dieser Studie betont werden. Diese Studien behandelt, neben den bisher untersuchten Bereichen des individuellen Chronotypus, Schlafgewohnheiten, Schlafqualität, Auswirkungen auf Befindlichkeit und Lebenszufriedenheit, neue Fragestellungen, wie die Chronotypen innerhalb der Familie, dem Chronotyp des Lebenspartners, Auswirkungen des Chronotypus auf Eß- und Trinkgewohnheiten und im Beruf sowie Unterschiede der Schlaf/Wachgewohnheiten zwischen Landbevölkerung und Großstadtbewohnern.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/3580
Enthalten in den Sammlungen:PsyDok

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