Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/3592
Titel: Zum Erleben von Thrills und anderen starken emotionalen Reaktionen beim Musikhören
Autor(en): Schönberger, Jörg
Erscheinungsdatum: 2003
Zusammenfassung: Obwohl unbestritten ist, dass Musik in der Lage ist, starke emotionale Reaktionen auszulösen, hat sich die Musikpsychologie wenig mit den Emotionen beschäftigt, die Menschen beim Musikhören erleben. Zwei mögliche Zugänge zum Erfassen solch starker emotionaler Reaktionen sind die Ansätze von John A. Sloboda und Alf Gabrielsson. Sloboda nutzt für seinen Ansatz das Phänomen der "Thrills" — physiologische Begleiterscheinungen starker emotionaler Reaktionen wie z.B. Gänsehaut, Schauer, die über den Rücken laufen, usw. — und konnte in einer Studie Strukturmerkmale in der Musik identifizieren, die derartige Reaktionen auslösen. Einen qualitativ orientierten Ansatz verfolgt Alf Gabrielsson mit seinem Konzept der "Strong Experiences with Music" (SEM). Er analysierte in einem mehrjährigen Forschungsprojekt hunderte Beschreibungen solch starker Erlebnisse mit Musik und gelangte zu einer umfassenden Kategorisierung von SEM. Unsere Studie greift diese beiden Konzepte auf und liefert einige neue empirische Ergebnisse aus diesem vernachlässigten Bereich musikpsychologischer Forschung. In einer Onlineuntersuchung wurde 200 TeilnehmerInnen eine modifizierte Version des Thrillfragebogens von Sloboda (1991) vorgegeben. Die Befragten sollten angeben, welche von zwölf vorgegebenen Thrills sie beim Musikhören bereits erlebt hatten und Stücke nennen, die bei ihnen die Reaktionen ausgelöst hatten. Unsere Untersuchung bezog dabei alle Musikgenres mit ein, um die in Slobodas Studie getroffene Einschränkung auf klassische Musik aufzuheben. Im Unterschied zu Sloboda bestand unsere Stichprobe überwiegend aus Laien. Zusätzlich wurden die Teilnehmer gebeten, ihr stärkstes Erlebnis zu beschrieben, das sie je beim Musikhören hatten, um Gabrielssons SEM-Kategorien zu überprüfen. Es zeigte sich, dass Thrillerleben beim Musikhören ein weit verbreitetes Phänomen ist. Über 90% der Teilnehmer gaben an, in den letzten fünf Jahren Thrills beim Musikhören erlebt zu haben, wobei Gänsehaut, Lachen und Schauer am häufigsten genannt wurden. Bei der Häufigkeit des Thrillerlebens ergaben sich Geschlechtsunterschiede, in zehn von zwölf Thrills gaben Frauen teils signifikant höhere Werte als Männer an. 72% unserer Teilnehmer konnten Stücke angeben, die die Thrills ausgelöst hatten (überwiegend aus dem Pop/Rock-Bereich). Die Lokalisation der thrillauslösenden Stellen in den Stücken gelang den Befragten bei klassischer Musik genauer. Eine Analyse einiger oft genannter Stücke zeigte, dass sich die von Sloboda beschriebenen Strukturmerkmale thrillauslösender Musik auch in nicht-klassischen Stücken finden lassen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass v.a. bei Stücken aus dem Pop/Rock-Bereich das Thrillerleben auch stark vom Text, vom Setting und von Erinnerungen, die mit dem Stück verbunden sind, beeinflusst wird. Eine Analyse der abgegebenen SEM-Beschreibungen bestätigte Gabrielssons Kategorien und belegte, dass SEM-Berichte wichtige Zusatzinformationen zum Thrillerleben liefern.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/3592
Enthalten in den Sammlungen:PsyDok

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