Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/402
Titel: Befunde zur Unterscheidung von immanenter und ultimativer Gerechtigkeit: 1. Ergebnisse aus einer Untersuchung zur Wahrnehmung von Krebskrankheiten und Krebskranken
Autor(en): Maes, Jürgen
Erscheinungsdatum: 1995
Serie/Report Nr.: Berichte aus der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral";81
Zusammenfassung: Immanente und ultimative Gerechtigkeit werden als zwei Varianten des Gerechte-Welt-Glaubens mit unterschiedlichen Wirkungen konzipiert. Anlaß für diese Unterscheidung war die unentschiedene Forschungslage bezüglich des Zusammenhangs zwischen Gerechte-Welt-Glauben und Opferabwertung. Es gibt ungefähr so viele Studien, die den Abwertungseffekt bestätigen, wie es Studien gibt, die keinen solchen Effekt finden konnten oder sogar von mit dem Gerechte-Welt-Glauben einhergehenden positiven Bewertungen von Opfern berichten. Es wird angenommen, daß nur der Glaube an immanente Gerechtigkeit zu Opferabwertungen führt, während beim Glauben an ultimative Gerechtigkeit, bei dem irgendwann in der Zukunft eine Kompensation der Leiden erwartet wird, Opfer positiv bewertet werden können. Daten wurden im Rahmen einer Fragebogenerhebung zu Krebskrankheiten an einer Stichprobe von 326 Probanden erhoben. Zwei hoch reliable Skalen zur Messung von immanenter und ultimativer Gerechtigkeit (a=.83 und a=.86) wurden hinsichtlich ihrer Korrelationsmuster mit Drittvariablen verglichen. Zusätzlich wurden Partialkorrelationsanalysen durchgeführt, bei denen aus dem Zusammenhang einer der beiden Varianten mit Drittvariablen jeweils die Korrelation mit der anderen Variante auspartialisiert wurde. Die Korrelationsmuster belegen die Validität der gewählten Differenzierung. Immanente und ultimative Gerechtigkeit unterscheiden sich signifikant in Richtung oder Stärke des Zusammenhangs mit anderen Überzeugungssystemen wie Kontrollüberzeugungen, Freiheitsüberzeugungen oder allgemeiner Urteilshärte, Wahrnehmungsstilen, krankheitsbezogenen Emotionen, Verhalten gegenüber den Opfern und eigenem Gesundheitsverhalten. Der in der Gerechtigkeitsforschung häufig berichtete Zusammenhang zwischen Gerechte-Welt-Glauben und Abwertung der Opfer existiert nur für den Glauben an immanente Gerechtigkeit, der Glaube an ultimative Gerechtigkeit geht im Gegensatz dazu sogar mit günstigen Opferbewertungen einher. Ähnliches gilt für Prozesse der Verantwortungsattribution. Nur immanente Gerechtigkeit geht auch mit Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Befürwortung von Sanktionen gegen die Opfer einher, während der Glaube an ultimative Gerechtigkeit positive Zusammenhänge zu adaptiven Prozessen erkennen läßt wie der Fähigkeit, Sinn in schweren Krankheiten zu sehen, Optimismus und Bewältigungszuversicht bezüglich einer möglichen eigenen Erkrankung. Der Glaube, daß sich auf lange Sicht Gerechtigkeit wiederherstellen läßt, scheint nicht nur die Bereitschaft zu erhöhen, selbst zu einer solchen Wiederherstellung beizutragen, sondern auch, sich gesundheitsbewußter zu verhalten und auf risikohaltiges Verhalten zu verzichten.
Belief in immanent justice and belief in ultimate justice are conceived as two contrasting facets of belief in a just world. This distinction is proposed because of the ambiguous research concerning the correlation between belief in a just world and derogation of victims. There are as many studies confirming the derogation effect as there are studies that report no such effect or even positive evaluations of victims coinciding with belief in a just world. It is supposed that only belief in immanent justice leads to derogation whereas belief in ultimate justice according to which a future compensation of suffering is expected leads to positive evaluations of victims. Data were collected from a questionnaire study on cancer (N= 326). Two highly reliable scales for measuring immanent and ultimate justice (a=.83, and a=.86) are compared as for their correlational patterns with other variables. Additionally, partial correlation analyses were conducted (the respective other facet is partialled out from the correlation of one of the two facets with other variables). The correlational patterns confirm the validity of the differentiation. Immanent justice and ultimate justice are significantly different as for the direction or strength of their correlations with other belief systems like beliefs in control, beliefs in freedom, or draconity, emotions, behavior toward victims, and health behavior. A derogation effect exists only for belief in immanent justice whereas belief in ultimate justice correlates with positive evaluations of victims. The same is true for responsibility attribution. Only immanent justice leads to reproaching, blaming and claiming sanctions against victims, whereas belief in ultimate justice shows positive correlations with adaptive processes as the preparedness to find meaning in severe illness, optimism, and confidence in one's own coping capacity. The belief that justice can be restored in the long run can not only increase the preparedness to contribute to such a reestablishment of justice, but it can also increase the preparedness to care for one's own health and to avoid risky behavior.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/402
Enthalten in den Sammlungen:Berichte der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"
PsyDok

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