Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/415
Titel: Test of Everyday Attention for Children (TEA-Ch): Anwendung und Validierung eines psychometrischen Testverfahrens zur Erfassung von Aufmerksamkeitsstörungen
Sonstige Titel: Test of Everyday Attention for Children (TEA-Ch): Exercise and validation of a psychometric test procedure for ascertainment attention deficits
Autor(en): Otto, Franziska
Erscheinungsdatum: 2005
Zusammenfassung: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADS) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder in der Kinder- und Jugendpsychotherapie und —psychiatrie. Obwohl es zahlreiche Forschungen zu dieser Syndromatik gibt, sind immer noch viele Fragen ungeklärt. Eine besondere Problematik stellt die angemessene (Differential-) Diagnostik der Aufmerksamkeitsschwierigkeiten des Störungsbildes dar. Um hier Abhilfe zu schaffen, haben Manly et al. (1999) den "Test of Everyday Attention for Children — TEA-Ch' für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 16 Jahren veröffentlicht. Die Autoren postulieren drei Aufmerksamkeitsbereiche, die mit insgesamt 9 Subtests erfasst werden: Selektive Aufmerksamkeit, Daueraufmerksamkeit, Aufmerksamkeitskontrolle/-verlagerung. Sie konnten zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit einer ADS signifikant schlechtere Leistungen in den Bereichen Daueraufmerksamkeit und Aufmerksamkeits-kontrolle/-verlagerung aufweisen als Kinder und Jugendliche einer Normalstichprobe. Sowohl Manly et al. (1999, 2001) als auch Heaton et al. (2001) fanden zudem eine gute Diskriminierungsfähigkeit des TEA-Ch zwischen Kindern mit einer ADS und Kindern mit einer anderen klinischen Störung. Zur Validierung im deutschsprachigen Raum wurde der Test mit einer Stichprobe von n = 245 (weiblich: 61, männlich: 184) Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren am Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) in Landau durchgeführt. Mit den daraus gewonnenen Daten ist eine Konstruktvalidierung der im Test operationalisierten Aufmerksamkeitsleistung vorgenommen worden. Hierfür sind folgende Hypothesen aufgrund theoretischen Wissens über die ADS und bisherigen Erfahrungen mit dem TEA-Ch auf diesem Gebiet (vgl. Manly et al., 1999, 2001 und Heaton et al., 2001) generiert worden. 1. Die von Manly et al. (1999) auf Grundlage eines Strukturgleichungsmodells postulierte dreifaktorielle Struktur des TEA-Ch lässt sich an der vorliegenden Stichprobe replizieren. 2. Es ergeben sich signifikant kleinere Mittelwerte der Untertests zu Dauerauf-merksamkeit und Aufmerksamkeitskontrolle/-verlagerung als der Untertests zu selektiver Aufmerksamkeit. 3. Das Abschneiden im TEA-Ch ist unabhängig von dem Ergebnis in einem Intelligenztest (n = 130). 4. Das Abschneiden im TEA-Ch gibt einen Hinweis auf das Vorhandensein der Kardinalsymptome einer ADS, vor allem der Aufmerksamkeitsdefizite (n = 22). 5. Ältere Probanden bewältigen den TEA-Ch besser als jüngere Probanden. 6. Das Geschlecht hat keinen Einfluss auf die Bewältigung des TEA-Ch (n = 130). 7. Der TEA-Ch erweist sich auch an der vorliegenden Stichprobe als reliabel. Mittels Faktorenanalyse konnten die von Manly et al. (1999) postulierten Aufmerksamkeitsbereiche nur bedingt repliziert werden. Es ergeben sich die Faktoren: Daueraufmerksamkeit (auditiv), Aufmerksamkeitskontrolle/-verlagerung (visuell) und ein dritter schlecht interpretierbarer Faktor. Ein t-Test für abhängige Stichproben zeigt, dass die Untertests des Faktors Aufmerksamkeitskontrolle/-verlagerung signifikant schlechter bewältigt wurden als die restlichen Untertests. Auch diese Hypothese konnte damit nur teilweise bestätigt werden. Dagegen zeigen sich theoriekonform keine Intelligenz- oder Geschlechtseinflüsse. Diese Ergebnisse müssen allerdings mit Vorsicht interpretiert werden, da aufgrund des gewählten statistischen Verfahrens (multivariate Varianzanalyse) nur ein Teil der Stichprobe (n = 130) in die Berechnungen einfloss. Ebenfalls theoriekonform konnte für die meisten Untertest (6 von 9) ein Alterseffekt nachgewiesen werden. Eine Diskriminanzanalyse gibt erste Hinweise darauf, dass sich mittels TEA-Ch Aufmerksamkeitsschwierigkeiten vorhersagen lassen. Berechnungen der internen Konsistenz für die einzelnen Faktoren ergeben folgende Cronbachs Alpha: Selektive Aufmerksamkeit .64, Daueraufmerksamkeit .76, Aufmerksamkeits-kontrolle/-verlagerung .70. Im großen und ganzen kann die Validierung als geglückt angesehen werden. Dennoch ist es sinnvoll die faktorenanalytische Überprüfung an einer größeren repräsentativen Stichprobe zu wiederholen. Ebenfalls kritisch zu bewerten ist der Einsatz eines Intelligenztests, der keine IQ-Werte liefert, sondern nur eine ordinale Einstufung zulässt. Die Tendenzen, die sich in der Diskriminanzanalyse für ein n = 22 gezeigt haben, müssen sich erst an größeren Stichproben bewären. Von Interesse wären auch die Ergebnisse einer Re-Test-Reliabilitäts-Berechnung; ebenso die Untersuchung einer diagnostizierten ADS-Stichprobe möglichst im Kontrollgruppen-Design.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/415
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