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Titel: Beautycheck - Ursachen und Folgen von Attraktivität
Sonstige Titel: Beautycheck - Causes and Consequences of Human Facial Attractiveness
Autor(en): Braun, Christoph
Gründl, Martin
Marberger, Claus
Scherber, Christoph
Erscheinungsdatum: 2001
Zusammenfassung: In der vorliegenden Arbeit wurden mehrere Erklärungsansätze, die sich auf die Attraktivitätswahrnehmung von Gesichtern beziehen, empirisch überprüft. Dies sind konkret die Durchschnittshypothese (Langlois & Roggman, 1990), der Einfluss der Symmetrie (Thornhill & Gangestad, 1993) und die Theorie der Merkmalsausprägungen (Cunningham, 1986; Reifezeichen vs. Kindchenschema). Darüber hinaus wurde untersucht, welchen Zusammenhang es zwischen Attraktivität und bestimmten Eigenschaftszuschreibungen gibt (Attraktivitätsstereotyp). Dazu fotografierten wir 78 Frauengesichter und 33 Männergesichter in standardisierter Weise. In einer Voruntersuchung wurden die Gesichter von Versuchspersonen bezüglich ihrer Attraktivität auf einer Skala von 1 (= sehr unattraktiv) bis 7 (= sehr attraktiv) beurteilt. Aufgrund dieser Ergebnisse wurden 64 Frauen- und 32 Männergesichter für das weitere Vorgehen ausgewählt und in eine Rangreihenfolge gebracht. Aus je zwei rangbenachbarten Gesichtern wurde mit Hilfe eines Computerprogramms ein neues Gesicht berechnet (gemorpht). Nach diesem Prinzip wurden sowohl für Frauen als auch für Männer über mehrere Generationen weitere Durchschnittsgesichter mit zunehmender Anzahl darin enthaltener Originalgesichter berechnet, bis schließlich ein einzelnes Gesicht für jedes Geschlecht resultierte. In diesen beiden Gesichtern sind sämtliche fotografierten Personen eines Geschlechts zu gleichen Anteilen enthalten. Analog zur Beurteilung der Originalgesichter wurde die Attraktivität aller gemorphten Gesichter ebenfalls auf der gleichen Skala (s.o.) beurteilt. Alle Originalgesichter und gemorphten Gesichter wurden darüber hinaus von Mitarbeitern einer Modelagentur daraufhin eingeschätzt, ob sie als Model für die Kategorie "Beauty" geeignet wären. In einem zweiten Experiment wurde der Einfluss der Symmetrie auf die Attraktivitätswahrnehmung von Gesichtern untersucht. Für die fünf unattraktivsten, fünf mittel attraktiven und fünf attraktivsten Gesichter jedes Geschlechts wurden mit Hilfe der Morphing-Software symmetrisch optimierte Versionen der Originalgesichter hergestellt. In einem Paarvergleichsexperiment wurde erhoben, inwieweit die symmetrisch optimierten Gesichter als attraktiver beurteilt werden als die Originalgesichter. Für das dritte Experiment wurden für jedes Geschlecht drei unattraktive und drei attraktive Gesichter in ihren Gesichtsproportionen zu 50% an die des Durchschnittsgesichts angenähert. Die Gesichtsoberfläche (d.h. insbesondere die Haut) wurde dabei konstant gehalten und nur die Proportionen wurden durchschnittlicher gemacht. Sämtliche Versionen wurden in einem Paarvergleichsexperiment mit dem Originalgesicht verglichen. Im Gegenzug wurden für jedes Geschlecht zwei Gesichterpaare hergestellt, die in ihren Gesichtsproportionen identisch waren. Durch Konstanthalten der Gesichtsproportionen konnten verschiedene Gesichtsoberflächen in Paarvergleichsexperimenten miteinander verglichen werden. Als weitere Fragestellung wurde untersucht, inwieweit eine Annäherung der Gesichtsproportionen erwachsener Frauen an das Kindchenschema attraktivitätssteigernd wirkt. Dafür erstellten wir für sechs verschiedene Frauengesichter fünf Gesichtsvariationen, deren Gesichtsproportionen in 10%-Schritten (bis 50%) denen des Kindchenschemas angenähert wurden. Aus den fünf Variationen zuzüglich dem Originalgesicht wählten die Befragten das für sie attraktivste Gesicht aus. Um herauszufinden, welcher Zusammenhang zwischen Attraktivität und der Zuschreibung bestimmter Eigenschaften besteht, wurden 21 Gesichter aus den Kategorien "unattraktiv", "mittel attraktiv" und "attraktiv" auf einer 7-stufigen Skala hinsichtlich zehn verschiedener Persönlichkeitseigenschaften von Versuchspersonen eingeschätzt. Das Ergebnis der Beurteilung der Originalgesichter sowie der daraus gemorphten Gesichter fällt wie folgt aus: Gemorphte Gesichter werden im Mittel attraktiver eingeschätzt als die Originalgesichter (4,26 bzw. 3,45 auf der 7-stufigen Skala). Je mehr Originalgesichter in einem gemorphten Gesicht enthalten sind, desto attraktiver wird es beurteilt (r = 0,57** für Frauengesichter, r = 0,64** für Männergesichter). Dies stützt zwar einerseits tendenziell die Durchschnittshypothese von Langlois & Roggman (1990), andererseits gilt aber auch: Je attraktiver die in einem gemorphten Gesicht enthaltenen Originalgesichter sind, desto attraktiver wird auch das gemorphte Gesicht beurteilt (r = 0,75** für Frauengesichter, r = 0,68** für Männergesichter). Es kommt also nicht nur auf die Anzahl der in einem Gesicht vermorphten Originalgesichter an, sondern vor allem auch darauf, wie attraktiv die verwendeten Originalgesichter sind. Dies widerspricht der Durchschnittshypothese. Die Expertenbefragung in der Model-Agentur ergab, dass von den ausgewählten Gesichtern, die als Model für die Kategorie "Beauty" geeignet wären, 88% (14 von 16) gemorpht waren, also in der Realität nicht existieren. Sehr asymmetrische Gesichter sind eher unattraktiv, aber sehr unattraktive Gesichter sind deswegen nicht automatisch asymmetrisch. Umgekehrt gilt ebenso: Sehr symmetrische Gesichter sind nicht notwendigerweise attraktiv und sehr attraktive Gesichter zeigen durchaus Abweichungen von der Symmetrie. Insgesamt scheint Symmetrie nur ein eher schwaches Kriterium für Attraktivität zu sein. Werden unattraktive Gesichter in ihren Proportionen an das Durchschnittsschema angenähert, steigt ihre Attraktivität ? bei attraktiven dagegen sinkt sie. Bei konstant gehaltenen Gesichtsproportionen wird für jedes Geschlecht die Gesichtsoberfläche des Durchschnittsgesichts als attraktiver beurteilt als die von unattraktiven Gesichtern, jedoch als weniger attraktiv als die Gesichtsoberfläche von attraktiven Gesichtern. Durch die beiden Experimente konnte eindeutig gezeigt werden, dass nicht die Gesichtsproportionen, sondern die Oberflächen durchschnittliche Gesichter attraktiv machen. Die attraktivsten Gesichter weisen in ihren Proportionen systematische Unterschiede im Vergleich zum Durchschnittsgesicht auf (siehe oben!) und werden gerade wegen dieser Unterschiede als attraktiver bewertet. Variationen von erwachsenen Frauengesichtern, deren Proportionen dem Kindchenschema (von 10% bis 50%) angenähert wurden, werden von mehr als 90% der Befragten als attraktiver eingeschätzt. Das bedeutet, dass selbst die attraktivsten Frauen noch zusätzlich an Attraktivität gewinnen, wenn ihre Gesichtsproportionen kindlicher gemacht werden. Dies steht im Einklang mit der Theorie der Merkmalsausprägung (Cunningham, 1986) und spricht gegen Grammers Ansicht, dass das Kindchenschema keinen positiven Einfluss hätte. Durch den Vergleich von prototypischen unattraktiven und attraktiven Gesichtern konnten Merkmale identifiziert werden, durch die sich attraktive Gesichter auszeichnen. Die Ergebnisse der Untersuchung zur sozialen Wahrnehmung von Gesichtern zeigen, dass es ein ausgeprägtes Attraktivitätsstereotyp gibt: Es finden sich für beide Geschlechter hohe Korrelationen (zwischen 0,8 und 0,9) zwischen dem Attraktivitätsurteil und den zugeschriebenen Eigenschaften "erfolgreich", "zufrieden", "sympathisch"; "intelligent", "gesellig", "aufregend", "kreativ" und "fleißig". Damit konnte gezeigt werden, dass Attraktivität weitreichende soziale Folgen nach sich zieht. In einer abschließenden Betrachtung werden die damit verbundenen Konsequenzen für das Individuum und die Gesellschaft kritisch diskutiert. Hinweis: Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes enthält der Bericht keine Bilder von "Originalgesichtern" sowie von Gesichtern, die aus lediglich zwei "Originalgesichtern" berechnet wurden!
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/45
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