Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/452
Titel: Komorbidität von Hyperakusis bei Patienten mit Angststörungen
Sonstige Titel: Comorbidity of Hyperacusis and Anxiety Disorders
Autor(en): Friesicke, Kathrin
Erscheinungsdatum: 2006
Zusammenfassung: Bei Hyperakusis handelt es sich um eine Störung des akustischen Informationsverarbeitungssystems im Sinne einer klinisch relevanten Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, unter der ca. 500000 Menschen in Deutschland leiden. Zum Phänomen der Hyperakusis liegen bisher nur wenige, außerdem unzusammenhängende Forschungsbefunde vor, und es besteht kein wissenschaftlicher Konsens hinsichtlich Definition, Nosologie, Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Hyperakusis. Obwohl im Zusammenhang mit Geräuschüberempfindlichkeit häufig psychopathologische Auffälligkeiten, insbesondere hinsichtlich ängstlicher Symptomatik erwähnt werden, finden sich auch hierzu bisher kaum nennenswerte empirische Befunde. Ziel dieser Arbeit war die empirische Unterfütterung des Konstrukts der Hyperakusis im Hinblick auf Definition, Diagnostik und Nosologie. Hierbei sollte besonders der psychopathologischen Dimension der Hyperakusis Beachtung geschenkt werden. Zu diesem Zweck wurde eine nosologische Klassifikation postuliert, anhand derer Hyperakusisbetroffene je nach gezeigter Symptomatik verschiedenen Gruppen zugeordnet werden können. Der Algorithmus der Zuordnung richtet sich dabei danach, welche von drei vorher identifizierten Hauptmerkmalen der Hyperakusis erfüllt sind, so dass sich potentiell 2*2*2=8 nosologische Gruppen ergeben. Bei den Hauptmerkmalen handelt es sich um (1) das subjektive Bewusstsein über das Vorliegen von Hyperakusis, (2) erniedrigte Unbehaglichkeitsschwellen gegenüber Geräuschen und (3) subjektiv empfundene Beeinträchtigung durch Hyperakusis. Ziel war, die Stichhaltigkeit dieser Einteilung zu überprüfen, indem explorativ Unterschiede der postulierten nosologischen Gruppen auf soziodemographischer, psychopathologischer, audiologischer sowie zeitbezogener Ebene geprüft wurden. An der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck wurden 44 Probanden rekrutiert, die jeweils mindestens eine der folgenden psychiatrischen Diagnosen aufwiesen: Agoraphobie, Soziale Phobie, Panikstörung, Generalisierte Angststörung. Anhand des beschriebenen Algorithmus wurden sie ex post den postulierten nosologischen Gruppen zugewiesen. Es ergaben sich auf diese Weise fünf der acht möglichen Gruppen. Erhebungsinstrumente zur Erfassung der soziodemographischen, psychopathologischen, audiologischen und zeitbezogenen Variablen waren: ein Fragebogen zur Erfassung soziodemographischer Variablen, der Anxiety Sensitivity Index, das Beck-Angst-Inventar, das Beck-Depressions-Inventar, das Screening für Somatoforme Störungen, der Whiteley-Index, die Symptom-Checkliste, die Internationalen Diagnosen Checklisten für ICD-10, der Geräuschüberempfindlichkeits-Fragebogen, das Strukturierte Tinnitus-Interview mit zusätzlichen expertengenerierten Fragen zu Hyperakusis und Tinnitus sowie eine Befundung der Unbehaglichkeitsschwellen mittels Sinustönen bzw. Breitbandrauschen. Anhand geeigneter statistischer Verfahren wurde überprüft, ob sich signifikante Gruppenunterschiede hinsichtlich der mittels der genannten Verfahren erhobenen Variablen ergaben. Signifikante bzw. auf dem Trendniveau signifikante Ergebnisse wurden hinsichtlich folgender Variablen gefunden: Ausmaß psychischer Belastung, Ausmaß ängstlicher, somatoformer und aggressiver Symptomatik, Ausmaß paranoiden Denkens sowie Hyperakusisbelastung. Die Gruppenunterschiede bestanden vor allem zwischen Gruppe 1, in der alle drei Hyperakusismerkmale erfüllt waren, gegenüber den Gruppen 2, 4 und 7, in denen nur ein bis zwei Merkmale erfüllt waren, sowie zwischen Gruppe 2, in der Merkmal (1) erfüllt war, und Gruppe 8, in der kein Merkmal erfüllt war. Hinsichtlich weiterer Variablen zeigten sich teilweise mittelgroße bis große Effekte, die wegen mangelnder Power nicht entdeckt wurden. Der Befund, dass sich fünf der postulierten nosologischen Gruppen durch die ex post durchgeführte Klassifikation ergaben, deutet auf die Heterogenität des Konzepts der Hyperakusis hin. Es scheint entweder verschiedene Arten der Hyperakusis zu geben, die nebeneinander existieren und somit die Existenz unterschiedlicher Definitionen rechtfertigen, oder verschiedene Stufen der Hyperakusis, die im Laufe der Störungsentwicklung erreicht werden und folglich einer diese Entwicklung integrierenden Definition bedürfen. Da sich im Rahmen der vorliegenden Studie vier unterschiedliche Hyperakusisgruppen ergaben, die jeweils unterschiedliche Merkmalskombinationen aufweisen, sollten im Rahmen der Hyperakusisdiagnostik stets alle drei Hauptmerkmale erhoben werden, um die jeweilige Beschaffenheit der Hyperakusis festzustellen. Die Relevanz der Diagnostik und der damit ermöglichten nosologischen Klassifikation in die postulierten Gruppen spiegelt sich in der Größe der Effekte wider, die sich durch die Gruppenunterschiede in erster Linie hinsichtlich psychopathologischer Merkmale, vor allem bezüglich ängstlicher Symptomatik zeigten.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/452
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