Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/532
Titel: Zur simulierten Rechtfertigung wirtschaftlicher und medizinischer Entscheidungen in Ethikkommissionen: Eine empirische Analyse des Einflusses verschiedener Rollen
Autor(en): Heitkamp, Imke
Borchardt, Heike
Witte, E.H.
Erscheinungsdatum: 2005
Serie/Report Nr.: Hamburger Forschungsberichte zur Sozialpsychologie;55
Zusammenfassung: Die Studie versucht die Frage zu beantworten, ob verschiedene soziale Rollen zu unterschiedlichen Entscheidungen und Rechtfertigungen bezüglich ethischer Probleme führen. Versuchspersonen (N = 682) wurden gebeten, entweder zu einem wirtschaftlichen (Soll die Produktion ins Ausland verlegt und dadurch Arbeitsplätze gestrichen werden?) oder zu einem medizinischen Problem (Sollen Gene manipuliert werden, um den Ausbruch von Erbkrankheiten zu verhindern?) eine Entscheidung zu treffen, wobei sie sich in eine beziehungsreiche soziale Rolle hineinversetzen sollten (z.B. Externer Berater, Forscher, Politiker). Danach sollte die getroffene Entscheidung anhand einer Wichtigkeitseinschätzung von vier klassischen, ethischen Positionen gerechtfertigt werden: Hedonismus, Intuitionismus, Utilitarismus und Deontologie. Es hat sich herausgestellt, dass die Wichtigkeitseinschätzungen der ethischen Grundpositionen mit dem Kontext (Medizin, Wirtschaft) kaum variieren. Vor allem wird der Utilitarismus, dann die Deontologie zur Rechtfertigung herangezogen. Rollenunterschiede sind vorwiegend in der Medizin beim Intuitionismus und in der Wirtschaft beim Hedonismus zu beobachten. Die generelle Abhängigkeit der Wichtigkeitseinschätzung von der Rolle ist bei geringeren Effekten trotzdem bedeutsam, d.h. es gibt eine signifikante Wechselwirkung zwischen Ethik und Rolle. Bei der individuellen Rechtfertigung der Entscheidungen nehmen im Bereich der Wirtschaft die drei ethischen Grundpositionen Intuitionismus, Utilitarismus und Deontologie einen signifikanten Einfluss auf die individuelle Variation der Entscheidung. In der Medizin sind es vor allem Hedonismus und Deontologie. Abhängig von der Rolle können interindividuelle Varianzen die Entscheidungen vorhersagen, allerdings nur bei weniger normierten Rollenbedingungen. Der Einbezug der Rolle ist hilfreich, wenn die Unterschiede in den Rechtfertigungen beachtet werden. Andersherum bedeutet dies, dass darüber nachgedacht werden muss, wie Diskussionen angeleitet werden können, will man den Einfluss sozialer Normierung gering halten und stattdessen ergebnisoffen und ethisch ausgewogen diskutieren.
The study tries to answer the question if different social roles lead to different decisions and justifications concerning ethical problems. Subjects (N = 682) were asked to decide either on an economic (Should the production be transferred abroad and thus jobs being cut?) or a medical problem (Should genes be manipulated to prevent genetically transmitted diseases from breaking out?) while going into a related social role (e.g. consultant, researcher, politician). After that, the decision had to be justified by weighing the importance of four classical ethical positions: hedonism, intuitionism, utilitarianism, and deontology. The results show that the importance assessments of the ethical positions hardly vary with the context (medicine, economic). Especially utilitarianism and thereafter deontology are quoted for justification. The most role differences as to the medical context are found for intuitionism and for hedonism as to the economic context. Nevertheless, the general dependence of the importance assessment on the role becomes significant with lower effects. That means that there is a significant interaction between ethics and role. As to the individual justification of the decision for the economic context, the three ethical positions intuitionism, utilitarianism, and deontology influence the individual variation of the decision significantly. For the medical context the positions are hedonism and deontology. Interindividual variances of the decision could be predicted dependent on the role, but only for less normalized role conditions. The consideration of the role will be helpful, if the differences of the justifications are noticed. The other way round, it means that there has to be a reflection on how discussions could be controlled to minimize the influence of social standardisation so that the results are open and the argumentation is ethically balanced.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/532
Enthalten in den Sammlungen:PsyDok

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