Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/657
Titel: Gerechte Einkommensteuerhöhe:Das Verhältnis von Erwartung, Wunsch und Wirklichkeit
Autor(en): Witte, Erich H.
Mölders, Christina
Peytsch, Oliver
Erscheinungsdatum: 2009
Serie/Report Nr.: Hamburger Forschungsberichte zur Sozialpsychologie;87
Zusammenfassung: In der vorgestellten Online-Szenariostudie (N = 2858 Beurteilungen von Szenarien) wurde untersucht, welche Einkommensteuerhöhe in Abhängigkeit von Einkommen, Kinderzahl, Alter und Familienstand als gerecht empfunden wird. Die vorgegebenen Szenarien bestanden aus der Beschreibung eines Mannes in verschiedenen Lebenssituationen, die durch Variation der genannten Variablen definiert wurden. Vom Brutto-Einkommen wurden jeweils die Sozialabgaben offen abgezogen. Die Befragten wurden aufgefordert, die ihrer Meinung nach gerechte Steuerhöhe in Euro festzulegen sowie die tatsächliche Steuerhöhe zu schätzen. Schließlich wurden Angaben zum eigenen (Netto-) Einkommen sowie zur hier vermuteten und gerechten Steuerhöhe erhoben. Eine Varianzanalyse zeigt, dass nur Einkommen und Kinderzahl für die Festlegung der Steuerhöhe relevant waren. Die Progression wird offenbar als gerecht empfunden: Abhängig vom Einkommen halten die Befragten einen Steuersatz zwischen 5 und 17 % für angemessen. Je nach Anzahl der Kinder sinkt dieser Satz. Beim Vergleich von gewünschtem, realem und vermutetem Steuersatz fällt auf, dass die tatsächliche Steuerlast im unteren Einkommensbereich überschätzt, in den hohen Bereichen unterschätzt wird. Die als gerecht empfundene Höhe liegt deutlich unter vermuteter als auch realer Höhe der Steuer. Dabei bestehen keine bedeutsamen Korrelationen zwischen soziodemographischen Angaben der Personen und ihren Veranschlagungen des Steuersatzes. Auch für die stärker emotionsbasierte Einschätzung der eigenen Steuerhöhe zeigt sich, dass im unteren Einkommensbereich die Steuerhöhe überschätzt und im oberen unterschätzt wird. Der als gerecht empfundene Satz liegt im unteren Einkommensbereich sogar über dem realen, im oberen Einkommensbereich allerdings weit darunter. Eine Progression ist hier nicht mehr erkennbar. Implikationen für steuerpsychologische Forschung und Politik werden diskutiert.
The presented online study (N = 2858 scenario judgments) examines which income tax rate is felt to be just, taking into consideration income, number of children, age and marital status. The participants were given the description of a man under different living conditions which were determined by altering the named variables. Social security contributions were overtly subtracted from the gross wages. The participants were asked to decide on a tax rate they considered to be just and to estimate the real tax rate. Finally, data concerning their own (net) income as well as desired and real tax rate were collected. An analysis of variance reveals that only income and number of children turn out to be relevant for the just tax rate. Obviously, progression is felt to be just. Depending on the income, participants would prefer tax rates from 5 to 17 %, decreasing with rising number of children. Comparing desired, real and estimated tax rates it becomes apparent that the tax load is overestimated for lower and underestimated for higher incomes. Just rates are clearly lower than estimated and real tax rates. There are no relevant correlations between participants' socio-demographic data and given just tax rates. Concerning a more emotion-based estimation of the own taxation, tax rates are overestimated by people with lower income and underestimated by those with higher income. For people with lower wages, the just rate even exceeds the real rate, whereas for more earning groups it falls short of reality. No consistent progression is to be constituted. Implications for financial psychological research and politics are discussed.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/657
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