Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/95
Titel: Gerechtigkeit als innerdeutsches Problem: Abschlussbericht an die DFG
Autor(en): Schmitt, Manfred
Montada, Leo
Maes, Jürgen
Erscheinungsdatum: 2000
Serie/Report Nr.: Berichte aus der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"; 132
Zusammenfassung: Theoretische Grundlagen, Planung, Durchfuehrung und wichtigste Befunde der Laengsschnittstudie "Gerechtigkeit als innerdeutsches Problem" (GiP) werden berichtet. Ausgangspunkt der Untersuchung waren die ungleichen Lebensbedingungen im vereinten Deutschland, die entgegen der optimistischen Prognosen, welche zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung gestellt wurden, 10 Jahre spaeter im Osten immer noch schlechter sind als im Westen. Dies wirft, vor allem in der ostdeutschen Bevoelkerung, immer wieder die Gerechtigkeitsfrage auf. Im Projekt GiP wurde eine demographisch heterogene Stichprobe von anfangs 2500 Probanden aus Ost- und Westdeutschland im Abstand von 2 Jahren (1996 und 1998) zur Lebensqualitaet in fuenf Bereichen (Arbeit und Beruf, Wohlstand, menschliches Klima, Wohnsituation und Stadtqualitaet, Umwelt und Natur) befragt. Aufbauend auf frueheren Arbeiten zur relativen Deprivation und relativen Privilegierung wurde untersucht, welche dispositionellen Einstellungen, Ueberzeugungen und Werthaltungen gemeinsam mit welchen spezifischen Ansichten und Urteilen ueber die innerdeutsche Verteilung von Wohlstand und Lebensqualitaet zu subjektiven Ungerechtigkeiten fuehren und welche Effekte Ungerechtigkeitswahrnehmungen auf Emotionen, Handlungsbereitschaften und Indikatoren der seelischen Gesundheit haben. Uebereinstimmend mit den theoretischen Erwartungen konnte gezeigt werden, dass das Ost-West-Gefaelle in der Qualitaet der Lebensbedingungen fuer viele Menschen in Deutschland ein Gerechtigkeitsproblem darstellt. Als ungerecht empfundene kollektive Benachteiligungen beeintraechtigen das Wohlbefinden und die seelische Gesundheit, wobei negative Emotionen als Vermittler wirken. Eine als ungerecht empfundene kollektive Besserstellung wirkt ebenfalls als belastend (existentielle Schuldgefuehle) und motiviert die Betroffenen zu Verzichtsbereitschaft und Solidaritaet mit den Schlechtergestellten. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass relative Deprivation bei Ostdeutschen dazu fuehrt, sich durch die Kultivierung einer ostdeutschen Identitaet von Westdeutschen abzugrenzen, und dass diese Form der Selbstabgrenzung vor negativen Effekten der relativen Deprivation auf das Wohlbefinden schuetzt. Der Laengsschnitt soll mit einer Erhebung im Jahr 2000 fortgesetzt werden.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/95
Enthalten in den Sammlungen:Berichte der Arbeitsgruppe "Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral"
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