Bitte benutzen Sie diese Kennung, um auf die Ressource zu verweisen: http://hdl.handle.net/20.500.11780/977
Titel: Erich Fromms Ansichten zur psychoanalytischen "Technik"
Autor(en): Bacciagaluppi, Marco
Erscheinungsdatum: 1990
Zusammenfassung: Der erste zu besprechende Punkt gilt dem Titel dieses Vortrags oder genauer genommen den Anführungszeichen beim Wort "Technik". Fromm vermied es, diesen Ausdruck für die Psychoanalyse zu verwenden. In einem unveröffentlichten kleinen Beitrag mit dem Titel "Psychoanalytic ?technique? - or the art of listening", betonte Fromm, dass das Wort "Technik" sich auf etwas Mechanisches bezieht, etwas Unlebendiges, währenddem das passende Wort für Lebendiges "Kunst" sei. Ein zweiter Punkt betrifft die Literatur zum Thema: Unter Fromms Schriften gibt es ganz wenige zu diesem Thema. Gegen Ende seines Lebens wollte er diesem Mangel begegnen und einige seiner Ansichten zur psychoanalytischen Theorie und Technik publizieren. Es gelang ihm aber nur, den ersten Teil dieses Projekts zu beenden. Dies war sein letztes Buch Sigmund Freuds Psychoanalyse - Größe und Grenzen (1979a; GA VIII). Weil eine systematische Arbeit von Fromm selbst fehlt, kann das uns zur Rekonstruktion einer "Technik" zur Verfügung stehende Ausgangsmaterial in verschiedene Kategorien geteilt werden: 1. Fromms veröffentlichte Arbeiten über eine Technik. Diese beinhalten eine frühe Veröffentlichung ("Die gesellschaftliche Bedingtheit der psychoanalytischen Theorie", 1935a; GA I), vier Kapitel über Träume in Märchen, Mythen, Träume (1951a, GA IX), eine kurze Veröffentlichung über die freie Assoziation (1955d), wie auch zwei Interviews vom Dezember 1963 mit Richard Evans. Diese sind als Film und später in Buchform (1966f) erschienen, womit Fromm allerdings nicht einverstanden war. 2. Unveröffentlichte Arbeiten von Fromm über seine Technik. Hier habe ich als Arbeitsmaterial neben der oben erwähnten kurzen Arbeit vor allem Transkripte von zehn in Locarno 1974 abgehaltenen Seminaren benützt. 3. Fromms Bemerkungen zur "Technik", die von mehr allgemeinem Interesse sind. die wichtigsten finden sich in seinem Buch über den Zen Buddhismus (1960a; GA VI). 4. Berichte von Fromms Studenten in a) USA, b) Mexiko und c) Europa. Von den Berichten seiner amerikanischen Studenten sind zwei besonders nützlich: eine Veröffentlichung von David Schecter, der ein 1957 in Mexiko abgehaltenes Seminar beschreibt (geschrieben 1958, aber erst 1981 veröffentlicht); wie auch eine Veröffentlichung von Bernard Landis von 1981. In diesem Vortrag werde ich mich nur auf die unter 1, 2, 3 und 4a erwähnten Quellen beziehen. Für Angaben über Fromms Wirken in Mexiko beziehe ich mich auf Jorge Silva- Garcia. Einer seiner wichtigsten Beiträge ist ein Manuskript von 1983 über "Übertragung" bei Freud, Ferenczi und Fromm. Was die letzten zehn Jahre von Fromm in Europa betrifft, so erschien 1987 ein Manuskript von Boris Luban-Plozza und Romano Biancoli mit dem Titel: Erich Fromms therapeutische Annäherung oder Die Kunst der Psychotherapie. Darin werden technische Empfehlungen, Bemerkungen über Gruppen, psychosomatische Symptome und Relaxationsmethoden erwähnt. Diese Arbeit gibt auch eine Übersicht der Beiträge Fromms zur Technik und bezieht sich hierbei auf unveröffentlichtes wie veröffentlichtes Material. Daher wird es zwischen dieser Arbeit und meinem Vortrag Überschneidungen geben. Luban-Plozza und Biancoli ziehen in dieser Arbeit auch Konsequenzen hinsichtlich der "Technik" aus einigen Schriften von Fromm - besonders den späteren -, welche sich nicht direkt mit der "Technik" auseinandersetzen. So betonen sie anhand der Anatomie der menschlichen Destruktivität, wie wichtig es ist, defensive Aggressivität in der Therapie auszudrücken (a.a.O., S. 122), und die Analyse der Zeiterfahrung in Haben oder Sein wird auf die therapeutische Situation angewandt (a.a.O. S. 127). Dies ist eine nützliche Interpretationsarbeit. Ich möchte Wolsteins (1981) Ratschlag befolgen und zwischen Fromms Interpretation und seinen eigenen Vorschlägen zum klinischen Vorgehen unterscheiden. In diesem Beitrag werde ich mich auf Fromms eigene Aussagen beschränken, ob sie nun von ihm direkt stammen oder von anderen zitiert werden. Ich werde versuchen, einerseits Fromms Position mit der von Freud, andererseits auch mit der von neueren psychoanalytischen Entwicklungen zu vergleichen.
Fromm wrote very little on psychoanalytic technique, and his views have to be reconstructed mainly from unpublished and indirect sources. In this paper, a systematic comparison between Freud and Fromm on twelve points of technique is carried out. Fromm agrees with Freud that the aim of psychoanalysis is that of making the unconscious conscious, but he extends this aim to the full recovery of the unconscious. Fromm differs most sharply from Freud on the role of the analyst. In his view, the detached attitude is the most serious defect in Freud?s technique. According to Fromm, the analyst should be his full self with the patient and aim at a "core-to-core" relatedness. He should offer himself as an object of transference, but also as a real person. Resistances should be approached very actively. in this modification of Freud?s technique, Fromm views Ferenczi and Sullivan as his precursors. Fromm?s position is also compared with more recent psychoanalytic developments. It is suggested that, by being intensely involved at an empathic level but by not seeing himself as inevitably enmeshed in the repetition of the past and by not making the therapeutic interaction explicit, Fromm belongs to the analysts characterized by "participation with" and not to those characterized by "participation in".
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/977
Enthalten in den Sammlungen:Schriften der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft e.V.
PsyDok

Dateien zu dieser Ressource:
Datei Beschreibung GrößeFormat 
Bacciagaluppi,_M.,_1990c.pdf97,16 kBAdobe PDFÖffnen/Anzeigen


Alle Ressourcen in diesem Repository sind urheberrechtlich geschützt.