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Titel: Erich Fromm und die Kritische Theorie des Subjekts
Autor(en): Johach, Helmut
Erscheinungsdatum: 1988
Zusammenfassung: Von den früheren Mitarbeitern des Instituts für Sozialforschung hat Erich Fromm am spätesten, jedoch vielleicht am nachhaltigsten literarische Wirkung entfaltet. Während die in der Emigration geschriebene Dialektik der Aufklärung (1947) und die Aufsätze Horkheimers aus der Zeitschrift für Sozialforschung (1932-1941) z. Zt. der Studentenbewegung eine größere Verbreitung erfuhren, die jedoch im wesentlichen auf die akademische Jugend beschränkt blieb, haben die in hohen Auflagen verbreiteten Schriften Fromms über Die Kunst des Liebens (1956a) und Haben oder Sein (1976a) auch bei einem nichtakademischen Publikum überaus starke Resonanz gefunden. Zumindest in Lesezirkeln an Volkshochschulen, aber auch in der grün-alternativen Szene ist die Nachfrage nach Lebenshilfe, wie sie viele Leser in den Schriften Fromms zu finden scheinen, beträchtlich. Ist Erich Fromm also in erster Linie als eine Leitfigur der Alternativbewegung zu verstehen? Auch wenn es verlockend erscheint, diesem Aspekt der Rezeptionsgeschichtegenauer nachzugehen, wäre es doch eine unzulässige Verkürzung, wenn man ihn nur nach seinen späteren, populär geschriebenen Bestsellern und nicht nach dem wissenschaftlichen Anspruch seines Gesamtwerks beurteilen wollte. Da Fromm seinen grundlegenden theoretischen Ansatz, die Analytische Sozialpsychologie, bereits in den frühen Aufsätzen in der Zeitschrift für Sozialforschung (E. Fromm, 1932a, 1932b; GA I, S. 37-77) ausgearbeitet hat, ist es vielmehr näherliegend, ihn der Kritischen Theorie zuzurechnen, auch wenn deren Hauptvertreter Adorno, Horkheimer und Marcuse sich später von ihm distanzierten. Nach der im Jahre 1939 erfolgten Trennung vom Institut wurde Fromms eigene Version von Kritischer Theorie, speziell sein Verständnis von Psychoanalyse, als "revisionistisch" abgetan und Adorno wie Horkheimer unterlagen der Versuchung, auch die früheren Beiträge Fromms aus Verärgerung oder Ressentiment schlicht totzuschweigen. Erst durch J. Habermas (1977; 1981, Bd. II, S. 557f.) und die theoriegeschichtlich orientierten Studien von M. Jay (1973, S. 195ff.), W. Bonß (1980; 1982), H. Dubiel (1978, S. 174ff.) und R. Wiggershaus (1986, S. 174ff.) ist der Anteil, den Erich Fromm in der frühen Phase der Kritischen Theorie an der theoretischen und empirischen Arbeit des Instituts hatte, in einer Weise dargestellt worden, die seiner tatsächlichen Bedeutung eher gerecht wird. Mit dieser späten Anerkennung ist jedoch eine gewisse Engführung verbunden: Als authentische Beiträge zur Kritischen Theorie werden, wie bei H. Dahmer (1982, S. 300ff.), nur diejenigen Arbeiten Fromms angesehen, die aus der Zeit seiner Institutszugehörigkeit in den Dreißiger Jahren stammen. Nach Adornos Abrechnung mit den Neo-Freudianern und vollends nach der mit Heftigkeit geführten Revisionismus-Debatte in den Fünfziger Jahren (vgl. die Beiträge von Bierhoff und Rickert in diesem Band) galt Fromms spätere Lesart der Psychoanalyse dagegen lange Zeit als "Verstümmelung" (H. Marcuse, 1969, S. 268) und "Entmannung" (ders., 1977, S. 270) der wahren Freudschen Lehre. Erst die Beiträge von A. Lorenzer und B. Görlich (1980) suchen die Diskussion zu versachlichen.
Fromms contribution to the Critical Theory was long underestimated. Whereas the conception of an analytical social psychology and the studies on the authoritarian character type - both of which were developed during the 30s - invariably come in for mention in the more recent reception accorded the Frankfurt School, little attention has so far been paid to those writings by Fromm siding with the Critical Theory which appeared in the wake of "Escape from Freedom" (1941). A decisive factor here was the negative judgement passed by former colleagues upon Fromms "revisionistic" position following the so- called "culturism debate". The present essay highlights the extent to which Fromm was consistently concerned to develop a critical theory of subject. This not only implies a critical stance to the characterological structures prevalent in capitalist society but also a humanistic interpretation of the "true" way of life. The thesis is advanced that a critical theory of subject must not confine itself to a "negative" anthropology but rather develop ethical perspectives for both the individual and society.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/987
Enthalten in den Sammlungen:Schriften der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft e.V.
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