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Titel: Moderne Technik und Nekrophilie : Notizen zum Nekrophiliekonzept bei Erich Fromm
Autor(en): Pongratz, Ludwig A.
Erscheinungsdatum: 1990
Zusammenfassung: Die Frage nach der Lebensfeindlichkeit oder -notwendigkeit moderner Technik ist zweifellos aktuell, wenn auch nicht umwerfend neu. Entsprechend findet sich in der Debatte eine Palette von Antworten vorgezeichnet. Sie reicht vom Modell des Sündenfalls durch naturbeherrschende Rationalität über die These von der Neutralität des Arsenals technischer Mittel bis zum philantropischen Lob des wissenschaftlich- technischen Fortschritts (vgl. auch J. Habermas 1968a, S. 59). Bevor wir uns in den Streit der Meinungen stürzen -und ich habe nicht die Absicht, indifferent zu bleiben- scheinen einige Anmerkungen zur Argumentationsweise angebracht: So wie die Titelfrage (nämlich: Fördert die moderne Technik die Nekrophilie?) gestellt ist, ist sie nicht oder zumindest nicht allein) empirisch entscheidbar. Das muss kein Manko sein. Denn Psychoanalyse ist methodologisch als Tiefenhermeneutik (vgl. J. etwa J. Habermas, 1968, S. 263-332; ders., 1973, S. 264-302) konzipiert und lässt sich deshalb auch nicht bruchlos in empirische Terms übersetzen. Das heißt andererseits nicht, dass sich die Psychoanalyse ihr theoretisches Wissen aus den Fingern saugt. Denn dieses Wissen stammt nicht zuletzt aus praktisch-klinischer Erfahrung, in der es sich bewährt und revidiert. Der Rückgriff auf und die Erhebung von empirischen Daten gehören daher fraglich zur psychoanalytischen Theoriekonstitution hinzu, ohne dass sich ihre entscheidenden Einsicht elektronisch zusammenaddieren ließen. Worauf es stattdessen ankommt, ist jener Schuß dialektische Phantasie (vgl. M. Jay, 1973), mit dem es gelingt, das Gewirr oberflächlicher Faktizitäten auf ihren unterschwelligen Sinn- und Konfliktzusammenhang hin zu durchdringen. Die nachfolgenden Überlegungen zielen u.a. darauf ab, dieser erschlüsselnden, sozialen Phantasie Raum zu geben. Sie bleiben nach streng empirischen Standards hypothetisch. Doch behaupten sie eine innere Stimmigkeit, eine Psycho- Logik eigener Art, die sich dem, der verstehend mitgeht, erschließt. Ich habe dabei meinen Gedankengang in Schritte untergliedert, gleichsam Etappen einer hermeneutischen Rundreise.
This article focusses mainly on elucidating Fromm's conception of the link between the main thrust of technological development in modern society, on the one hand, and the formation of a necrophiliac disposition in the contemporary social character structure, on the other. This was a topic Fromm devoted much attention to, particularly in his late research works. The author's concern is not simply to situate Fromm's analysis in the wider framework of comtemporary psychoanalytic research work dealing with the same topic; he also takes up the matter of the structural changes occurring in the forms of subconscious and day-to-day awareness that characterize members of modern society. From this perspective, the author shows how the changes in internal psychic dispositions noted by Fromm are intimately bound up with a subtle ongoing trend to increasing instrumentation and fragmentation in day-to-day life. This process becomes concretely graspable in the way the capacity for subjective experience has had walls erected around it and is even actively being destroyed. The consequences of this process are nothing short of alarming, for they point to a ever-present Fascist potential that constantly menaces high-technology society from within.
URI: http://hdl.handle.net/20.500.11780/993
Enthalten in den Sammlungen:Schriften der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft e.V.
PsyDok

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